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Erfolgreiche Weiterbildung

Unser Rechtsanwalt ist jetzt Doktor Alex Ertl

Kompetent und professionell wollen die Angestellten Schweiz ihre Mitglieder beraten. Deswegen fördert der Verband die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeitenden. Kürzlich hat unser Rechtsanwalt Alex Ertl erfolgreich promoviert. Beim Verfassen seiner Dissertation gewann er wichtige Erkenntnisse, die er bei seiner täglichen Arbeit bei der Beratung der Mitglieder von Angestellte Schweiz gut gebrauchen kann. Im Interview verrät er, welche.

Dr. Alex Ertl Dr. Alex Ertl

Alex, wie fühlst du dich als frischgebackener Doktor?

Eigentlich nicht viel anders als vorher. Aber es ist mir schon eine grosse Last von den Schultern gefallen, jetzt wo ich fertig bin. Nun habe ich plötzlich wieder viel mehr Freizeit, was etwas ungewohnt ist. Aber es ist ein gutes Gefühl! 

Worüber hast du deine Dissertation geschrieben?

Das Thema ist die Problematik befristeter Arbeitsverhältnisse. Ich fand das einfach sehr spannend. Zudem hatte ich festgestellt, dass es fast keine Literatur dazu gibt. In meiner Dissertation fokussierte ich mich auf die Gesundheitsbranche, weil in Bezug auf befristete Arbeitsverhältnisse vor allem bei den Assistenzärzten ein grosses Problem besteht. Heikel ist die Situation aber auch bei Lehrabgängern und künftigen Rekruten, die bis zur RS befristet angestellt werden. Sie erhalten daher in der RS keine Lohnfortzahlung, sondern lediglich den Minimalansatz gemäss Erwerbsersatzordnung (EO).

Wo kommen, abgesehen von Spitälern, befristete Arbeitsverhältnisse vor allem vor?

Man findet sie überall. Weit verbreitet sind sie natürlich in der Temporärarbeitsvermittlungsbranche. Da werden sie oft angewendet. Aber auch viele Betriebe stellen Angestellte befristet ein.

Was bringt Deine Dissertation für deine tägliche Arbeit als Rechtsberater bei den Angestellten Schweiz?

Da wir unsere Klienten vorwiegend im Arbeits- und Sozialversicherungsrecht beraten, konnte ich mein erworbenes Wissen schon oft anwenden. Ich habe momentan bei Gericht diverse Fälle hängig, einer davon betrifft genau das Thema meiner Dissertation. Dies ist natürlich für mich sehr interessant. Beim Verfassen der Klageschrift hat mir die Dissertation enorm geholfen.

Was sind, kurz zusammengefasst, die wichtigsten Erkenntnisse deiner Dissertation?

Aus den wichtigsten Erkenntnissen heraus habe ich eine „Dreier-Regel“ entwickelt. Diese stellt eine Vermutung einer missbräuchlichen oder zulässigen Befristung auf. Lange Befristungen machen grundsätzlich keinen Sinn. Ein „dreimaliges“ befristetes Arbeitsverhältnis innerhalb von drei Jahren ist zulässig. Längere Befristungen als drei Jahre oder mehr als drei hintereinander folgende befristete Arbeitsverträge sind missbräuchlich. Diese Vermutung kann mit dem Beweis des Gegenteils umgestossen werden. So kann unter Umständen ein für länger als drei Jahre dauerndes befristetes Arbeitsverhältnis gerechtfertigt sein. Der Arbeitgeber muss diese Befristungsdauer aber begründen.

Was sind aus deiner Sicht die besonders problematischen Punkte bei befristeten Arbeitsverhältnissen?

Werden Personen immer wieder befristet angestellt, kommt es zu sogenannten „Kettenarbeitsverträgen“. Mit der Wiederholung von Befristungen können gesetzliche Schutzbestimmungen umgangen werden. Dies ist beispielsweise bei Assistenzärzten ein grosses Problem. Es fällt auf, dass Assistenzärzte von den Spitälern fast durchwegs jeweils nur auf ein Jahr befristet angestellt werden. Dies tun die Spitäler, obwohl die Ausbildungsdauer eigentlich vier Jahre beträgt. Ärzten, die sich über diese kritische Arbeitssituation beschwerten, wurde in vielen Fällen die Befristung nicht erneuert.

Was können sie dagegen tun?

Sie können die Spitäler und die Ärzte darauf aufmerksam machen, dass die Zufriedenheit der Assistenzärzte durch unbefristete Verträge massiv gesteigert werden kann. Damit verbessert sich die Leistung dieser Ärzte und die Qualität des Spitals.

Wie wird sich die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse entwickeln?

Mittels befristeter Verträge kann das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmenden überwälzt werden. Darum werden solche Verträge sicherlich zunehmen. Es gilt, die Öffentlichkeit für diese Problematik zu sensibilisieren.

Dann geht Dir also die Arbeit nicht aus. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

Interview: Virginie Jaquet

Donnerstag, 09. Jul 2015

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«Werden Personen immer wieder befristet angestellt, kommt es zu sogenannten „Kettenarbeitsverträgen“. »
Dr. Alex Ertl

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