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Marilena Schioppetti glanzvoll als Ersatzrichterin gewählt

Marilena Schioppetti, Rechtsanwältin der Angestellten Schweiz, hat auf Anhieb die Wahl als Ersatzrichterin an das Amtsgericht Thal-Gäu geschafft. Dieses Amtsgericht ist ein erstinstanzliches Gericht im Kanton Solothurn. Was Marilena Schioppettis neue Aufgaben sind und warum das neue Amt auch ein Vorteil für die Angestellten Schweiz ist, erklärt sie im Interview.

Marilena, du bist vom Stimmvolk als Ersatzrichterin an das Amtsgericht Thal-Gäu gewählt worden. Du hast dich als CVP-Kandidatin mit 46 Prozent der Stimmen gegen einen Kandidaten der FDP und eine Kandidatin der SP durchgesetzt (die beide auf einen zweiten Wahlgang verzichteten). Wie hast du den Wahlkampf erlebt?

Es war sehr interessant, dies einmal mitzuerleben. Ich war gespannt auf die Resultate und verfolgte alles aktiv mit.

Was hast du in den Wahlkampf investiert?

Ich schaltete vier Inserate in Zeitungen. Natürlich machte ich Mund-zu-Mund-Propaganda und Posts in den sozialen Medien. Ansonsten unterstützte mich die Partei.

Warum denkst du, dass du am meisten Stimmen gemacht hast?

Aus zwei Gründen. Einerseits war ich die einzige Kandidatin, die über ein fundiertes juristisches Know-how verfügt – die anderen Kandidaten kamen aus anderen Bereichen. Der zweite Grund war, dass die CVP in meiner Region eine starke Basis hat.

Für welche Rechtsgebiete wirst du am Gericht zuständig sein?

Im strafrechtlichen Bereich werden es insbesondere Straftaten sein, bei denen eine Freiheitsstrafe von über 18 Monaten in Frage kommt. Im Zivilrecht wird es vor allem um Forderungsstreitigkeiten mit einem Streitwert von über 30 000 Franken gehen. Ich werde also für alle Rechtsgebiete zuständig sein, da das Amtsgericht Thal-Gäu nicht in Rechtskammern unterteilt ist.

Was sind typische strafrechtliche Fälle, die du beurteilen wirst?

Im Strafrecht können das zum Beispiel Gewalt- oder Tötungsdelikte sein.

Wann kommt eine Ersatzrichterin überhaupt zum Einsatz?

Der Hauptrichter ist der Amtsgerichtspräsident. Bei leichteren Fällen kann er selbst urteilen. Bei schwereren urteilt ein Dreiergremium, neben dem Amtsgerichtspräsidenten zwei Amtsrichter. Ersatzamtsrichter kommen zum Einsatz, wenn Amtsrichter verhindert sind. Ich gehe davon aus, dass ich rund sechs Mal im Jahr aufgeboten werde.

Wie viel Zeit wird dein neues Amt beanspruchen?

Das kommt stark auf den Fall an. Sicher wird es für jeden Fall einen halben oder ganzen Verhandlungstag geben. Wie viel Zeit ich für die Vorbereitung brauche, hängt von der Höhe der Aktenberge ab.

Du bleibst den Angestellten Schweiz als Anwältin zum Glück erhalten. Was bringt dir dein Amt beim Gericht für deine Arbeit beim Verband und umgekehrt?

Es ist eine Win-Win-Situation. Bei den Angestellten Schweiz vertrete ich Mitglieder und kenne darum die Sicht einer Anwältin. Bei Gericht ist es ein Vorteil, wenn ich die Taktiken und Strategien kenne, die zum Zug kommen. Umgekehrt ist es für meine Arbeit bei den Angestellten Schweiz nützlich zu wissen, auf was ein Gericht Wert legt. Das hilft, eine neutrale Sicht zu gewinnen, was für beide Seiten vorteilhaft ist.

Du bekleidest ja auch noch ein Amt bei der Mietschlichtungsbehörde. Was ist dort deine Aufgabe?

Ich helfe als Vertreterin des Mieterverbands Mietstreitigkeiten zu schlichten. Auch hier kann ich als Juristin mein Wissen optimal einbringen. Für das Gericht und die Angestellten Schweiz bringt meine Mietschlichtungstätigkeit ähnliche Vorteile wie mein Erstzrichteramt beim Amtsgericht.

Aspirierst du darauf, von Ersatzrichterin zur Richterin aufzusteigen?

Das habe ich mir überhaupt nicht überlegt. Richterin wäre ja ein Vollzeitamt. Mir gefällt die Arbeit bei den Angestellten Schweiz sehr und ich habe aktuell keine Absicht, diese aufzugeben.

Interview: Hansjörg Schmid

Die Angestellten Schweiz wünschen Marilena Schioppetti viel Erfolg in ihrem neuen Amt als Ersatzrichterin!

Montag, 24. Feb 2020

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