JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert. Ohne JavaScript funktioniert die Website nicht korrekt.
Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Härtetest

Die Corona-Krise stellte so ziemlich alles auf den Kopf. Aufgaben, Prioritäten und Arbeitsweisen haben sich urplötzlich geändert. Ebenso rasch kam die Erkenntnis, welche Arbeiten systemrelevant sind – und dass die Schweiz kein Sonderfall ist.

«Es trifft die Anderen, wir machen weiter.» Das mag wohl so mancher insgeheim gedacht haben. Denn die Schweiz ist in der Regel neutrale Beobachterin des Weltgeschehens, ihre Rolle ist vermitteln und helfen.

Wer, wie, was, wo?

Doch seit dem Lockdown steht auch die Schweiz Kopf: Was können wir noch tun, was nicht mehr? Was müssen wir jetzt angesichts der speziellen Lage mit besonderer Dringlichkeit tun? Wer ist systemrelevant? Wer kann im Home-Office arbeiten? Warum wurde Home-Office eigentlich in der Firma noch nicht eingerichtet? Wie schnell geht das? Braucht die 86-jährige Nachbarin Hilfe? Was, wenn man nicht systemrelevant ist und gleichzeitig Kinder betreuen und arbeiten sollte?

Am Puls des Arbeitsmarktes

Mit der Krise kamen auch die Fragen zum Arbeitsrecht. Welche Rechten und Pflichten habe ich als Arbeitnehmer*In, als Arbeitgeber? Seit dem Lockdown laufen die Telefone bei den Angestellten Schweiz heiss. Wir sind gefordert, freuen uns jedoch, dass wir indirekt systemrelevant sind. Die Rechtsberatung für unsere Mitglieder wurde ausgebaut und unsere Mitglieder und Mitgliederorganisationen werden direkt und in jede Ecke der Schweiz umfassend über die Corona-Aspekte des Arbeitsrechts beraten.

Das Kerngeschäft der Angestellten Schweiz hat in den letzten Wochen eine ungeahnte Intensität erhalten. Beratung am Puls des Arbeitsmarktes – ortsunabhängig. Wir arbeiten wie immer: agil, mobil und vernetzt. Aktuell aus der guten Stube direkt in die Stuben unserer Mitglieder. Unser Geschäftsmodell hat den Härtetest bestanden. Als Gesellschaft steht uns jedoch der grösste Härtetest noch bevor.

Gesellschaftliches Langzeitgedächtnis

Die grossen gesellschaftspolitischen Fragen, die sich in der Post-Corona-Ära stellen werden, sind noch nicht gelöst. Höchstens erst kurz angetönt – denn Raum haben sie (noch) nicht. Viele Fragen werden das erste Mal gestellt werden, obwohl die Grundproblematik seit Langem bekannt ist. Müssten nicht die für die Gesellschaft in Krisenzeiten systemrelevanten Berufe künftig stärker bewerten werden? Hat die Anerkennung für Angestellte im Gesundheitsweisen, in der Logistik, dem Detailhandel oder der Kinderbetreuung Bestand über die Corona-Krise hinaus? Ist die Gesellschaft bereit, diese Anerkennung auch in die Lohntüten der systemrelevanten Menschen zu tragen? Bleibt die Hochachtung dieser unverzichtbaren Berufe trotz Kleinstmargen? Das ist – nebst der Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen – der gesellschaftspolitische Härtetest für die Post-Corona-Zeit. Vergessen die Schweizer*innen oder erinnern sie sich an das? Leider vergisst der Mensch allzu schnell.

Die Angestellte Schweiz setzen sich dafür ein, dass alle Erwerbstätigen Zugang zum Arbeitsmarkt haben und fair entlöhnt werden. Mit oder ohne Krise. Vor Ort oder zuhause. Für unsere Mitglieder und diejenigen, die es noch werden. Damit wir als Gesellschaft den Härtetest bestehen und langfristig funktionieren.

Karin Oberlin, Stv. Geschäftsführerin Angestellte Schweiz

Donnerstag, 23. Apr 2020

Zurück zur Übersicht

Teilen: