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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Erfahrungsaustausch

Folgen von Fusionen auf die Angestellten

Immer wieder kommt es zu Hochzeiten von Unternehmen, auf nationaler und internationaler Ebene. Fusionen haben direkte Auswirkungen auf die Angestellten. Am 2. Juli 2015 zeigten die Juristen der Angestellten Schweiz auf, welche – und diskutierten sie mit Arbeitnehmervertretern.

Es war der bisher heisseste Tag des Sommers. Das hielt über 20 Interessierte nicht davon ab, nach Olten zu kommen, um sich über das nicht ganz einfache Thema Unternehmensfusionen auszutauschen. Schliesslich waren viele von ihnen direkt betroffen. Durch den Anlass führte Ivan Naef.

Jede zweite Fusion ein Misserfolg

Eigentlich sind Firmenfusionen in mehr als der Hälfte keine Erfolgsgeschichte, wusste Christof Burkard, Leiter Rechtsdienst der Angestellten Schweiz. Die deutsche Zeitung „die Welt“ zitiert eine PwC-Studie, gemäss der 54 Prozent der Manager von 300 befragten Unternehmen einräumen, dass sich mit der Fusion die erhofften Synergien nicht eingestellt haben. Trotzdem wird munter weiterfusioniert, wie die aktuellen Beispiele Alstom / General Electric, Kaba / Dorma, Holcim / Lafarge oder, eifrig debattiert, Sika / Saint-Gobain zeigen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Fusionen, wie:

  • Absorptionsfusion: Eine Gesellschaft übernimmt eine andere
  • Kombinationsfusion: Zwei Gesellschaften schliessen sich zu einer neuen zusammen
  • Abspaltung: Ein Teil einer Gesellschaft wird abgespalten und übertragen

Jede Fusionsart hat für die betroffenen Gesellschaften unterschiedliche rechtliche Konsequenzen.

Angestellte sind immer mitbetroffen

Rechtsanwalt Alex Ertl, seit Kurzem Doktor der Jurisprudenz, beleuchtete die Folgen von Fusionen auf die Angestellten. Was die Arbeitsverhältnisse betrifft, gelte bei jeder Fusion: Geht der Betrieb über, geht auch das Arbeitsverhältnis mit über. Alle Rechte und Pflichten blieben bestehen.

Die Arbeitnehmer haben das Recht, den Übergang des Arbeitsverhältnisses abzulehnen. Alex Ertl warnte aber: „Für die Arbeitslosenkasse gilt ein Arbeitnehmer, der den Übergang ablehnt, als „selbstverschuldet arbeitslos“. Er muss also mit Einstelltagen rechnen.“

Wird im Betrieb ein Gesamtarbeitsvertrag angewendet, so muss der Erwerber diesen während eines Jahres einhalten, sofern er nicht vorher abläuft oder gekündigt worden ist.

Arbeitnehmervertretungen haben Mitsprache

Bestehen Pläne für eine Fusion, so sind die Arbeitnehmer zu informieren. Sind Massnahmen wie Kündigungen, Betriebsschliessungen oder das Verschieben von Arbeitsorten geplant, so muss vor der Beschlussfassung über die Fusion ein ordentliches Konsultationsverfahren durchgeführt werden. Das Resultat des Konsultationsverfahrens muss sodann an der Fusionsversammlung vor der Beschlussfassung präsentiert werden. Werden die Informations- und Konsultationspflichten verletzt, kann eine Arbeitnehmervertretung gerichtlich verlangen, dass die Eintragung ins Handelsregister untersagt wird. Die Fusion kommt somit nicht zustande, respektive erst, wenn die Informations- und Konsultationspflichten nachgeholt worden sind und der Beschluss zur Fusion wiederholt wurde.

All diese Regelungen und rechtlichen Instrumente schützen die Interessen der Angestellten bei Fusionen. Nicht dass sie noch einen zusätzlichen Schaden haben, wenn sich eine Fusion für das Unternehmen als nicht gewinnbringend erweisen sollte.

 

Hansjörg Schmid

Montag, 06. Jul 2015

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