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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Wie man Fake News erkennt und wie man sie abwehrt

Kommt dir eine Nachricht verdächtig vor? In diesem Artikel erklären wir dir, wie du Fake News erkennst, wie du dich vor ihnen schützen und was du dagegen tun kannst. Was Fake News genau sind, warum sie von wem verbreitet werden und was sie anrichten, erfährst du im Beitrag «Was hinter Fake News steckt».

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich am 11. September 2001 von den Terroranschlägen auf die Zwillingstürme des World Trade Center in New York erfahren habe. Ich stiess auf eine kurze Meldung auf NZZ online, versehen mit einem Bild eines beschädigten, rauchenden Turms. Im ersten Moment konnte ich nicht glauben, dass ein Flugzeug in den Turm gerast war, weil ich mir so etwas schlicht nicht vorstellen konnte. Dann überlegte ich mir, dass die NZZ kein Absender war, der Falschmeldungen verbreitet. Ich konsultierte andere Quellen und fand schliesslich bestätigt, dass es passiert sein musste.

Das Beispiel zeigt, wie man vorgehen kann, um Fake News zu erkennen: Man konsultiert mehr als eine Quelle und prüft, ob (auch) seriöse und grössere Quellen (wie renommierte Zeitungen oder das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen) dasselbe berichten. Im Alltag findet man so rasch heraus, ob eine News belegt werden kann.

Ein zweiter wichtiger Punkt bei der Beurteilung von News ist, zwischen Meinungen und Fakten unterscheiden zu können. Die SRG grenzt Fakten folgendermassen ab: Ein Fakt ist eine Tatsache, die belegt werden kann. Ein Nicht-Fakt dagegen kann eine persönliche Meinung sein, die auf Gefühlen und/oder Wertvorstellungen eines Menschen basiert oder einfach eine Lüge. Gerade Jugendliche haben Schwierigkeiten, zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, wie die Pisa-Studie zutage gebracht hat.

Auf Herz und Nieren prüfen

Will oder muss man eine Meldung genauer prüfen, stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Man kann zum Beispiel via Google-Stichwortsuche untersuchen, ob eine Nachricht tatsächlich aktuell ist oder ob eine alte Meldung wieder hochgekocht wurde. Für den Faktencheck stehen einschlägige Websites wie Faktenfinder der ARD-Tagesschau, Correctiv des gleichnamigen Recherchekollektivs oder Mimikama zur Verfügung.

Wenn du die Quelle genauer untersuchen möchtest, kannst du dir diese Fragen stellen:

  • Wie lange ist die Urheberin, der Urheber schon auf diesem Kanal aktiv, was hat sie/er bisher geschrieben?
  • Machen die bisherigen Beiträge Sinn, sind sie glaubhaft?
  • Wer und wie viele Leute haben die Beiträge geteilt?
  • Bei Twitter: hat der Account einen blauen Verifizierungshaken?
  • Wie viele Freunde/Follower hat die Urheberin/der Urheber? Sind es nur wenige, könnte es sich um einen Social Bot handeln.

Nicht nur geschriebene Meldungen können gefälscht sein, sondern auch Bilder und Videos. Bei Bildern hilft die Google-Bildersuche weiter. Mit ihr kann man herausfinden, wo und in welchem Kontext ein Bild zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Wie das funktioniert, erfährst du in einem Beitrag des Magazins Chip. Der Artikel stellt auch weitere Methoden und Werkzeuge vor, mit denen du gefälschte Bilder, Videos und News entdecken kannst. Gute Tipps zum Erkennen von Fake News auf Social Media gibt dir Facebook.

Faktencheck durch Profis

Die grosse Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA hilft mit, Falschbehauptungen, die in den Social Media zirkulieren, zu entdecken, zu kennzeichnen und richtigzustellen. Catherine Gilbert ist dort Faktencheckerin. Sie prüft vor allem Facebook-Post von Einwohner*innen der Schweiz. Ihr Vorgehen erklärt Sie so: «Zur Verifizierung verwenden wir sämtliche Suchmaschinen und Browser, auch Open-Source-Intelligence-Tools (OSINT) kommen zum Einsatz. Für die Widerlegung von Falschbehauptungen recherchieren wir im Netz, fragen aber je nach Thema bei diversen Institutionen, Organisationen oder Expert*innen nach. Zudem schauen wir uns den ganzen Kontext an.»

Ergibt der Faktencheck falsche Behauptungen, veröffentlicht Catherine Gilbert diesen auf der Seite der dpa und verlinkt ihn mit dem Facebook-Post. Dieser wird mit einem entsprechenden Hinweis versehen – hier ein Beispiel.

Wenig überraschend setzt sich Catherine Gilbert seit dem Ausbruch der Pandemie stark mit Covid-Themen auseinander. «Statistische Daten wurden oftmals aus dem Kontext gerissen oder selektiv betrachtet, was zu Falschinterpretationen führte», stellt sie fest. Usern von Facebook rät sie: «kritisch sein und mal selbst recherchieren». Mehr über Catherine Gilberts interessante Arbeit erfährst du im Interview.

Plattformen und Staaten und Organisationen gehen gegen Fake News vor

Fake News werden aus dem Internet und den Sozialen Medien kaum verschwinden, auch wenn der Druck auf Facebook, Twitter & Co. immer grösser wird, dagegen vorzugehen. Sie werden sich aber bewegen und Fake News besser ausfiltern müssen. Du kannst diesen Plattformen als Nutzer*in übrigens dabei helfen, indem du Fake News meldest.  

Länder wie Deutschland, Frankreich, die tschechische Republik oder Ungarn haben staatliche Massnahmen gegen Fake News umgesetzt oder diskutieren sie. So kann in Frankreich und Ungarn die Verbreitung von Fake News bestraft werden und in Tschechien existiert ein staatliches Abwehrzentrum gegen solche. Eine gesetzliche Regulierung ist insofern schwierig, als es auch die Meinungsfreiheit zu schützen gilt und Zensur vermieden werden soll.

Eine ETH-Studie hat die Wirkung einer Methode untersucht, die (internationale) Organisationen gerne gegen Hassreden einsetzen: die Gegenrede. Dabei geht es darum, die Urheber*innen dazu zu bringen, weniger Hass zu verbreiten oder hassvolle Posts zu löschen. Die Studie hat herausgefunden, dass dies funktionieren kann, wenn mit Empathie argumentiert wird. Also zum Beispiel darauf hingewiesen, dass ein Post für jüdische Menschen sehr schmerzvoll zu lesen ist. Kaum Wirkung haben Gegenreden jedoch, wenn sie humorvoll daherkommen oder wenn sie vor Konsequenzen warnen.

Fake News richtig kontern

«Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen sind davon abhängig, dass sie von möglichst vielen Menschen geglaubt und weitererzählt werden», schreibt die österreichische Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig im Vorspann zu ihrem Buch «Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online». Dieses Buch ist ein Aufruf, die Verbreitung von Fake News zu erschweren und zeigt auf, was man dafür tun kann.

Fake News zu kontern ist alles andere als einfach, dies sei hier klar festgehalten. Menschen sind nicht so leicht von ihren Meinungen und Überzeugungen abzubringen, und wenn man es falsch angeht, erreicht man gerade das Gegenteil. Sich von einer Verschwörungserzählung abzuwenden ist zudem für Betroffene ein sehr langwieriger Prozess.

Ingrid Brodnig zeigt in ihrem Buch auf, wie man – in kleinen Schritten und mit bescheidenen Zielen – trotzdem etwas erreichen kann, indem man auf die Anliegen und Ängste der Betroffenen eingeht und die rhetorischen Tricks der Urheber von Fake News entlarvt.

Man muss es aber richtig angehen. So soll man zum Beispiel nicht dem ersten Impuls nachgeben und eine falsche Behauptung einfach negieren. Also zum Beispiel auf die Behauptung, die Covid-Impfung mache unfruchtbar, nicht antworten: «Nein, die Covid-Impfung macht nicht unfruchtbar». Damit löst man beim Gegenüber nur Gegenwehr aus unbd trägt zudem durch die Wiederholung selber zur Weiterverbreitung der Aussage bei. Eine bessere Strategie ist, das Richtige zu betonen. Also etwa zu sagen: «Die Covid-Impfung schützt die Gesundheit von geborenen und noch ungeborenen Menschen.»

Das Richtige sagen

In einem weiteren Schritt kann man aufzeigen, wie es zur falschen Behauptung gekommen ist. Dies findet man durch einen Faktencheck, zum Beispiel auf der Website von Correctiv, heraus. Dort steht zu unserem Beispiel: «Begründet wird die Behauptung damit, dass die durch die Impfung entstandenen Antikörper angeblich ein menschliches Protein namens Syncytin bekämpfen könnten. Denn das Coronavirus besitze ein ganz ähnliches Protein. Syncytin sei wichtig für die Bildung einer Plazenta. Wenn die Antikörper das körpereigene Syncytin angreifen, hätte das zur Folge, dass sich in der Gebärmutter keine Plazenta bilden könne, was eine Schwangerschaft unmöglich mache.» Syncytin ist für eine Schwangerschaft tatsächlich essenziell ist. Diverse von Correctiv angefragte Wissenschaftler widersprechen jedoch der These, dass es durch Antikörper angegriffen werden könnte, das körpereigene Syncytin unterscheide sich wesentlich von dem Protein, das im Coronavirus SARS-CoV-2 enthalten sei. «Eine Kreuzreaktion sei deshalb höchst unwahrscheinlich», folgern diese Wissenschaftler.

Correctiv führt ein weiteres Argument auf, das den Leuten zu denken geben müsste, die an die These von der Unfruchtbarkeit glauben. Wenn sie wahr wäre, müsste theoretisch auch jede Frau unfruchtbar sein, die bereits Covid-19 hatte – denn auch nach einer durchlebten Krankheit bildet das Immunsystem solche Antikörper. Darauf gibt es aber keinerlei Hinweise.

Eine weitere gute Taktik, um Falschmeldungen in Frage zu stellen sind – Fragen. Man kann höflich zurückfragen: «Wie kommst du zu diesem Schluss? Warum sollten die das tun?» Weitere Tipps, wie du Fake News entgegentrittst, findest du im Kasten.

Wenn du dich selber vor Fake News und Filterblasen schützen willst, hältst du dich am besten an die Tipps, die wir dir in einem weiteren Kasten zusammengestellt haben.

Missbrauch als Kampfbegriff

Fake News sind als solche schon schlimm genug, leider wird der Begriff aber von gewissen Leuten als Kampfbegriff missbraucht, um gegen missliebige Medien oder Organisationen vorzugehen, die die eigene Meinung nicht teilen. Prominentestes Beispiel ist der ehemalige US-Präsident Trump, der seriöse Medien wie die New York Times oder die Washington Post mit dem Vorwurf eindeckte, sie würden «Fake News» verbreiten. Selber log er jedoch munter auf Twitter und anderen Plattformen.

Zum Schluss möchten wir dir versichern, dass sich die Angestellten Schweiz alle erdenkliche Mühe geben, keine Fake News zu verbreiten. Wir prüfen die Fakten, stützen uns auf seriöse Quellen und Studien. Auf unsere News kannst du dich verlassen! Mehr zu unserem Qualitätsanspruch in der Kommunikation findest du im Beitrag «Wir tischen keine Fake News auf». Im Beitrag «Was hinter Fake News steckt» beleuchten wir die Hintergründe von Fake News.

Hansjörg Schmid

Mittwoch, 09. Mär 2022

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So konterst du Fake News

Andere davon zu überzeugen, dass sie einer Fake News auf den Leim gekrochen sind, ist keine leichte Aufgabe. Trotzdem solltest du es tun. Diese Tipps helfen dir dabei.

  • Nimm die andere Person und deren Anliegen und Ängste ernst und gehe darauf ein, ohne dabei die Falschaussage zu stützen.
  • Bleibe gelassen, erwarte nicht zu viel.
  • Betone das Richtige (siehe dazu das Beispiel im Haupttext).
  • Vermeide es, die Falschaussage zu wiederholen und dadurch selbst weiterzuverbreiten (auch wenn du sie dabei verneinst).
  • Zeige Logikfehler auf (siehe auch dazu das Beispiel im Haupttext).
  • Wiederhole das, was richtig ist – so schenkt ihm dein Gegenüber eher Glauben.
  • Prüfe deine Wortwahl, verwende deine eigenen Worte und Werte, nicht die der Falschmeldung. Dadurch betonst du deinen Deutungsrahmen und nicht den der Fake News.
  • Erkläre die Hintergründe (siehe wiederum Beispiel im Haupttext).
  • Nutze wenn möglich zur Illustration deiner Argumentation geeignete und seriöse Bilder oder Grafiken. Diese wirken stärker als nur Worte.
  • Wenn du im Zusammenhang mit einer verbreiteten Verschwörungstheorie wie zum Beispiel QAnon nicht weiterkommst, kannst du dich an die Beratungsstelle Infosekta wenden.

Weitere Tipps findest du im Buch «Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online» von Ingrid Brodnig.

So schützt du dich vor Fake News

Niemand lässt sich gerne anlügen oder manipulieren. Manchmal sind Fake News offensichtlich, manchmal aber nicht einfach zu erkennen. Hier eine Reihe von Tipps, wie dir dies gelingt.

  • Wenn dir eine News verdächtig vorkommt: prüfe diese!
  • Beginne mit der Quelle einer Nachricht: ist diese bekannt und seriös? Ist die Urheberin/der Urheber bekannt und seriös?
  • Vergewissere dich, ob die Quelle auf ihrer Website ein Impressum publiziert hat. Aus diesem erfährst du, wer dahinter steht. Existiert kein Impressum, ist dies suspekt.
  • Checke, ob die Nachricht auch von anderen (seriösen!) Quellen verbreitet wird respektive in mehreren Medien vorkommt. Ist dies der Fall und sagen alle dasselbe, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Nachricht stimmt. Gibt es unterschiedliche Varianten, ist Vorsicht angebracht.
  • Achte darauf, wie die Meldung gestaltet und formuliert ist. Kommt sie reisserisch, dramatisch, aufgeregt, stark emotionalisiert oder gar radikal daher, dann ist es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine Falschmeldung.
  • Prüfe, ob in der Nachricht Scheinargumente vorkommen, ob rhetorische Tricks angewendet werden (z.B. pseudowissenschaftliche Sprache, Unterstellungen in Form einer harmlos wirkenden Frage) oder ob die Nachricht logische Fehlschlüsse enthält. Solches weist auf eine Falschmeldung hin.
  • Checke die Fakten. Nimm dazu Websites zur Hilfe wie Faktenfinder, Correctiv oder Mimikama.
  • Bilder und Videos kannst du technisch prüfen. Wie das geht, ist in einem Beitrag des Magazins Chip gut beschrieben.
  • Nicht zuletzt, ganz wichtig: Hinterfrage immer wieder deine eigene Meinung! Glaube nicht nur, was diese bestätigt, hinterfrage, zweifle, analysiere, verlass dich nicht nur auf deinen gesunden Menschenverstand. So bleibst du offen und senkst deine Anfälligkeit für Fake News.