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Politische Einschätzung der Fondation CH 2048

Der Politologe Lukas Golder (gfs Bern) begrüsst die neue Politorganisation Fondation CH2048. Obwohl er vom ersten Projekt wenig begeistert ist, glaubt er, dass sie etwas bewegen kann.

Lukas Golder, Politische und ökonomische Organisationen und Thinktanks gibt es in der Schweiz bereits diverse. Jetzt wurde auch noch die Fondation CH 2048 gegründet. Wie weit braucht es eine solche neue Organisation?

Das Bewusstsein ist bei vielen mit der Schweiz verbundenen Menschen gewachsen, dass es zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wieder stärkere Brücken braucht. Ein Verbindungselement ist die Wissenschaft und Expertise von Fachkräften. Jede Organisation, die zum fachlichen Verständnis zwischen Akteuren beiträgt, ist willkommen.

Was kann sie konkret zum politischen Diskurs beitragen?

Ich vermisse oft eine langfristige Perspektive auf die Politik, die nicht vom Alltag und den unmittelbaren Problemen geprägt ist oder die unmittelbare Profilierung und den Konflikt sucht. Ein Beispiel ist die Debatte über die Altersvorsorge. Leider gelingt es aus ökonomischem Druck und aufgrund der Klick-Optimierung der Online-Plattformen heute selten, dass eine solche Perspektive von den Medienschaffenden direkt eingebracht wird. Der über Medien wahrnehmbare Dauerwahlkampf der Parteien trägt auch nicht unbedingt zu einer Versachlichung bei. Ein entspannte politischen Diskurs auf sachlicher Ebene – und das durchaus im direkten Austausch zwischen Thinktanks und der Bevölkerung – kann zu tragfähigen Lösungen führen.

Die Fondation CH 2048 hat sich zum Ziel gesetzt, Reformen nicht nur anzustossen, sondern zum Erfolg zu bringen. Wie kann sie dieses ehrgeizige Ziel erreichen?

Die Vermischung der Thinktank-Idee im Stil von Avenir Suisse, die von aussen eine langfristige Wirtschaftsperspektive einbringt, und der klassischen Lobbying-Idee, welche direkt Veränderungen sucht, ist sehr ambitioniert. CH 2048 versucht über einen Stakeholder-Ansatz erfolgreich zu sein. In den Gedankenprozess sollen von Anfang an breit verschiedene Interessen einbezogen werden, so dass die Ideen auch mehrheitsfähig werden. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und Parteien von Links bis Rechts sind präsent. Das ist an sich spannend und erinnert an die lebendige Konkordanzkultur, wie wir sie bis in die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts pflegten.

In einem ersten Projekt nimmt sich die Fondation der Steuern und Transfers an. Wie finden Sie diese Wahl eines Themas?

Ich freute mich über den Zugang zum Thema ohne Scheuklappen. Mir fehlte aber bei der Konkretisierung hin zu Ideen die Vielfalt an Perspektiven. Da schien es mir auf einmal reine Politökonomie. Ob solche Ideen im trockenen Thema Steuern und Transfers neue Brücken schlagen können, wage ich zu bezweifeln. Und nur wenige Ökonomen haben sich als gute Brückenbauer zur Bevölkerung entpuppt.

Gibt es andere Themen, deren sich die Fondation annehmen sollte?

Die Reformdiskussion ist ein Dauerbrenner unter Schweizer Eliten. Wir haben selbst in einem Projekt 52 Ideen getestet. Dabei erwies sich die Stärkung der politischen Bildung als sinnvollste und wirksamste Idee von allen. Selbst die Stimmberechtigten sind einer solchen Idee gegenüber sehr offen! Wenn wir an unserem politischen Diskurs arbeiten- und das gegenseitige Verständnis wieder stärken wollen, braucht es offenbar an der Basis und bei unserer Jugend verstärkt Anstrengungen. Für solche Reformen und Ansätze braucht es dringend machbare Ideen, Anstösse und Engagement von uns allen.

Was ist Ihre Einschätzung: Wird sich CH 2048 als Player in der Schweizer Politlandschaft etablieren können?

Die Idee ist spannend, das erste Thema mit den Anstössen überzeugte mich nicht. In der Umsetzung fehlt mir auch eine aktivere Kommunikation, die auch den direkten Austausch zur Bevölkerung sucht. Zum Anlass selbst wurde beispielsweise kaum ein Tweet abgesetzt. Da muss man anschliessend auch nicht überrascht sein, wenn das Medieninteresse mässig bleibt. Wenn CH 2048 den Dialog verbessern kann, dann hat sie auch Erfolg.

 

Interview: Hansjörg Schmid

Das Interview wurde per Mail geführt.

Montag, 11. Mai 2015

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