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Schweiz und EU - das Experten-Interview

Poker um die Bilateralen

Die Schweiz vor der Schicksalsfrage! So lautet der Titel des Mai-Apunto. Natürlich geht’s um die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU: Bilaterale retten oder den Alleingang wagen?  Der emeritierte Professor, Dieter Freiburghaus, ist Europarechts-Experte. Seine Antwort ist eindeutig: „Mitmachen oder abstürzen“. 

Dieter Freiburghaus Dieter Freiburghaus

Herr Freiburghaus, die Globalisierung gewinnt ständig an Fahrt. Derweil poltern nationale und populistische Bewegungen gegen die internationalen Verträge. Kann man sich von der Globalisierung einfach zurück ziehen?

Die Globalisierung ist eine Art Naturprozess. Da kann man nichts dagegen tun. Die Globalisierung ist wie ein Erdbeben, nicht einmal die USA kann sich dagegen wehren. Man kann oben aufschwimmen oder langsam untergehen – zurzeit schwimmt die Schweiz oben auf.

Oben aufschwimmen heisst gleichzeitig mehr Druck.

Ja, der Druck ist massiv gestiegen, weil man ständig an der vordersten Front der Technologie sein muss; an vorderster Front der Leistung und an vorderster Front der Arbeitsamkeit. Mithalten kann man auf internationaler Ebene nur, wenn man vorne mitmischt. Lange Zeit produzierte die Schweiz alles technologisch Hochwertige – die anderen haben das technologisch Minderwertige gefertigt. Heute sind wir überall in Konkurrenz. Also müssen wir noch schneller, innovativer vorangehen. Das bedeutet dann für die Menschen sich ständig weiterbilden und anpassen zu müssen.

Das ist brutal?

Der Kapitalismus ist brutal – wie die Natur. Dort herrscht eine Art Darwinismus. In New York leben Leute in Kartonschachteln, bei uns ist es zum Glück nicht so weit. Natürlich kann man den Kapitalismus ein Stück weit zähmen, das ist richtig – beispielsweise mit den Sozialversicherungen. Aber wenn man zu weit geht bei der Umverteilung, fehlt das Geld wieder für Investitionen. Der Kapitalismus ist wie eine Katze. Sie lässt das Mausen nicht.

Es gibt doch diesen Spruch: „Die Wirtschaft soll für den Menschen arbeiten, nicht umgekehrt.“ Gemäss ihnen unmöglich?

Die Wirtschaft kann man nicht beliebig formen. Wir gehen von einer Gestaltbarkeit der Gesellschaft aus. Gewisse Systeme sind aber nicht beliebig gestaltbar. Wenn Frau Merkel von ihrer Alternativlosigkeit spricht, hat sie recht. Wir können nicht alles gestalten wie wir es wollen.

Also mitmachen oder absteigen?

Ja, da hat man keine Wahl. Entweder machen wir mit oder steigen ab. Da kann man nicht entkommen. Den Prozess selber kann man nicht variieren, nur die Einstellung dazu. Er hat nämlich auch viele positive Seiten. Viele Leute haben eine sehr spannende Arbeit, führen ein höchst interessantes Leben und sind sehr engagiert – das wird oft vergessen. Der Druck wird meist nur negativ dargestellt.

Interview: Reto Liniger

 

Was denken Sie dazu? Schreiben Sie uns!  Mehr zum Thema gibt’s im aktuellen Apunto

Montag, 11. Mai 2015

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