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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Metaversen: Eintauchen in die virtuelle Realität

Nachdem ich meinem Kollegen Hansjörg einen schönen Abend gewünscht habe, verlasse ich die Geschäftsstelle der Angestellten Schweiz an der Martin-Disteli-Strasse in Olten. Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Einkäufe im Bahnhofsshop, bevor ich in den Zug steige, um die über stündige Fahrt anzutreten. 

Fünf Minuten später befinde ich mich jedoch zu Hause im Home-Office, sitze an meinem Schreibtisch und klappe meinen Computer zu, nachdem ich diesen Artikel fertig geschrieben habe. Wie habe ich das geschafft? Ich bin mit einem VR-Headset (Virtual-Reality) auf dem Kopf in ein Metaversum gereist.

Metaversum, ein angesagtes Konzept

Metaversum, jede*r spricht davon, aber was genau ist es? Im RTS-Podcast «Le point J» (in französischer Sprache) definiert Aurore Gerau, Forscherin im Atelier BNP Paribas, ein Metaversum so: «Es handelt sich um ein Ensemble von immersiven und sozialen Plattformen. Immersiv, weil sie ein visuelles Erlebnis bieten, und sozial, weil sie die Interaktion mit anderen Menschen oder vielmehr mit anderen Avataren ermöglichen.» Tatsächlich ist es mein Avatar, der vor ein paar Minuten die Tür der Geschäftsstelle der Angestellten Schweiz geschlossen und die Einkäufe erledigt hat. Apropos Einkaufen: Es hat gerade an der Tür geklingelt. Die im Metaversum bestellten Einkäufe sind eingetroffen.

Die Erfahrung, von der ich gerade berichtet habe, habe ich zwar noch nicht gemacht, aber in der Zukunft werde ich dies bestimmt tun können. Jedenfalls ist es das, was die Technologiegiganten ihren Nutzern und Nutzerinnen anbieten wollen, insbesondere Meta (ehemals Facebook). Das Unternehmen hat ein Pilotprojekt für einen virtuellen Open Space gestartet, in dem man mit seinen Arbeitskolleg*innen in einem Metaversum interagieren kann. Kein Unterwegssein mehr, man taucht zuhause in verschiedene Orte, Universen ein.

Die virtuelle Welt mit der Realität verbinden

Das Metaversum, oder anders gesagt das Eintauchen in eine virtuelle Welt, ist nicht so neu. Vielleicht kennen Sie Second Life, ein Computerspiel aus den frühen 2000er Jahren. Es bot bereits eine solche Erfahrung, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Das Neue an den heutigen Metaversen respektive deren Ziel ist es, die virtuelle Welt und die Realität konkret miteinander zu verbinden. Gehen Sie beispielsweise in Second Life einkaufen, kommen die Waren nicht ein paar Minuten später vor Ihrer Tür an. Die Metaversen der Zukunft könnten dies bieten.

Um das gewünschte Ziel zu erreichen, muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Die in diesem Bereich tätigen Unternehmen stellen massenweise Mitarbeitende ein. Meta geht davon aus, dass die Entwicklung von Metaversen in Europa rund 10 000 Arbeitsplätze schaffen könnte.

Arbeitsplätze für die Schweiz

Die Schweiz steht in diesem hektischen Wettlauf um das Internet der Zukunft nicht hintan. Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne sind hier sehr aktiv und die Absolvent*innen dieser Hochschulen werden direkt nach ihrem Abschluss von den Technologiegiganten eingestellt. Rasmus Dahl, Leiter von Meta Zürich, erklärt auf Anfrage des Tages Anzeigers, dass das Unternehmen diverse wissenschaftliche Kooperationen mit mehreren Lehrstühlen und Professoren unterhält.

Nicht nur schaffen Metaversen Arbeitsplätze, sie sind auch eine Einkommensquelle für Unternehmen. Zahlreiche Unternehmen möchten sich auf diesem Markt profilieren. Metaversen könnten in der Tat Milliarden von Dollars einbringen. Das sieht man bereits an den NFT («Non-Fungible Tokens»), virtuellen Objekten, die mit Blockchain gehandelt werden können. Einige von ihnen erreichen gigantische Summen.

Metaversum, ein Raum für Minderheiten

Metaversen generieren nicht nur Geld, sondern bringen auch Chancen mit sich, insbesondere für Minderheiten. Wie die Forscherin Aurore Gerau im Gespräch mit Point J. erklärt, bieten diese Räume nämlich eine Welt, in der sich Minderheiten wie zum Beispiel die LGBTQ-Community entfalten können. Im Metaversum können sie sich austauschen und interagieren, ohne die Diskriminierungen der realen Welt befürchten zu müssen.

Die Entwicklung von Metaversen ist nicht ohne Risiken. «Das Metaversum könnte eine Pathologie verstärken, nämlich die der sozialen Phobie. Manche Menschen könnten sich noch mehr isolieren». Dies sagt Gabriel Thorens, Assistenzarzt in der Abteilung für Suchtkrankheiten am Unispital Genf, auf Anfrage der Zeitschrift Bilan (in französischer Sprache).

Kommt bald das Metaversum der Angestellten Schweiz?

In den nächsten Jahren ist mit einem starken Wachstum der Metaversen zu rechnen. Wer weiss, vielleicht kannst du oder dein Avatar schon bald Mitglied des Metaversums der Angestellten Schweiz werden und mit einem einfachen VR-Helm mit unseren Jurist*innen interagieren oder vom Sofa aus eine Schulung besuchen und dich dabei so fühlen, als wärst du unserem Kursraum in Olten. Bist du bereit?

Virginie Jaquet

Montag, 31. Jan 2022

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