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Frauen können politisch den Unterschied machen

Ticken Frauen politisch eigentlich anders als Männer? Nicht grundsätzlich, in gewissen Fragen aber durchaus. Sie können sich auch mal gegen die Männer durchsetzen.

Die Konzernverantwortungsinitiative, über die wir Ende November 2020 abstimmten, fand beim Volk eine Mehrheit. Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Ergebnis leisteten die Frauen. Nicht nur stimmten sie mehrheitlich Ja, sie gingen auch fleissiger an die Urne als die Männer. Vor allem in der Gruppe der jüngeren Abstimmenden zwischen 18 und 39 Jahren gaben fast 60 Prozent der Frauen ihre Stimme ab, während viele jüngere Männer verzichteten. Zur Annahme der Initiative reichte es trotzdem nicht – sie scheiterte am Ständemehr.

Die höhere Stimmmotivation war bei dieser Vorlage sicher speziell, aber ansonsten war das Stimmverhalten der Frauen typisch. Untersuchungen der vergangenen nationalen Volksabstimmungen zeigen nämlich, dass Frauen bei Fragen der sozialen Gerechtigkeit tendenziell anders stimmen als Männer. Bei der Konzernverantwortungsinitiative ging es im Kern genau darum. Wirtschaftspolitische Argumente gewichten Frauen hingegen weniger als die Männer. «Generell sprechen sich Frauen stärker gegen Diskriminierung aus», stellte der Politologe Claude Longchamp bereits anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Frauenstimmrechts fest.

In diversen anderen Themen stimmen Frauen gleich wie die Männer. Mehr Engagement zeigen sie jedoch auch für den Umweltschutz, den Service Public oder einen Ausbau des Gesundheitswesens.

Abstimmungen entscheiden

Was bei der Konzernverantwortungsinitiative nicht ganz klappte, gelang in anderen Abstimmungen: Sie gingen so aus, wie es die Mehrheit der Frauen wollte. Beispiele gibt es diverse. So haben wir die Rassismus-Strafnorm (1994) den Frauen zu verdanken (64% Ja gegenüber 47% bei den Männern), ebenso das Ehe- und Erbrecht (61% gegenüber 48%, 1985). 2014 brachten die Frauen mit 58% Nein die Beschaffung des Kampfjets Gripen zu Fall (53% der Männer waren dafür). Zum Durchbruch verhalfen die Frauen weiter der Alpeninitiative (1993) und dem Moratorium für Atomkraftwerke (1990). Eine Revision der Arbeitslosenversicherung wurde 1997 dank ihrer Stimmenmehrheit versenkt.

Stimm(t)en Frauen meistens progressiver als Männer, zeigten sie bei Fragen zur Mutterschaft und Abtreibung konservativer. Sie waren es, die sich 1978 mehrheitlich gegen einen straffreien Schwangerschaftsabbruch aussprachen, das Ja der Männer konnte die Vorlage nicht retten. Auch bei der zweiten Abstimmung 2002 war das Ja der Männer (76%) deutlicher als dasjenige der Frauen (69%). Der Mutterschaftsversicherung stimmten 2004 lediglich 52% der Frauen, aber 61% der Männer zu. Es kann vermutet werden, dass vor allem viele ältere Frauen mit diesen Themen Mühe haben.

Es liegt noch mehr drin

Zwar sind die Frauen nach den eidgenössischen Wahlen 2019 so gut wie noch nie im Nationalrat (42%) und Ständerat (26%) vertreten, aber eben immer noch in der Minderzahl. Dies, obwohl Frauen über alle Parteien gesehen überdurchschnittlich gut gewählt werden. Gemäss Bundesamt für Statistik wurden nämlich prozentual etwas mehr Frauen gewählt, als sich zur Wahl gestellt hatten. Es lohnt sich also für Parteien, Frauen aufzustellen. Allerdings müssen sie diese zuerst für die Partei begeistern. Gemäss dem Freiwilligen-Monitor 2020 beträgt der Frauenanteil in den Parteien lediglich 27%. Aber 41% der politischen oder öffentlichen Ämter sind von Frauen besetzt.

Hoffnung macht, dass sich in der jüngeren Generation die Frauen eher für die Politik motivieren lassen. So können sich gemäss easyvote-Politikmonitor 2019 rund 18% der jungen Frauen ein Engagement in einem Jugendparlament vorstellen, gegenüber 13% der jungen Männer. Diese Frauen interessieren sich auch mehr für das sehr präsente Klimathema und gehen eher auf die Strasse als Männer (11% gegenüber 8%).

Schaffen es die Frauen, sich auch in den Parlamenten noch mehr einzubringen, dann werden sie in der Politik stärker Themen setzen können – und diese erfolgreich durch die Abstimmung bringen, wie 2004 die Verwahrungsinitiative (2004) oder 2008 die Unverjährbarkeitsinitiative. Rückwärtsgewandte Männer müssen sich dann warm anziehen.

Hansjörg Schmid

Montag, 29. Mär 2021

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