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«Eine starke Frau an der Seite befreit auch den Mann»

Emanzipation heisst für Franziska Bischof, Gründerin und Leiterin der Powermanagement GmbH, sich aus der eigenen Begrenzung zu begeben. Lesen Sie im Gespräch, warum dies für Frauen und Männer gleichermassen wichtig ist.

Wie emanzipiert sind die Frauen heute?

Es gibt zum Glück viele emanzipierte Frauen und Frauen mit einem gesunden Selbstbewusstsein, die sich nicht an Frauen- oder Männernormen orientieren. Sie gehen ihren eigenen Weg, leben ihre eigenen Werte und stehen für diese ein. Diese emanzipierten Frauen brauchen eine grosse Resilienz, weil sie nur auf dem eigenen Boden, an sich selber wachsen können.

Und die Männer?

Bei Männern ist die Situation anders. Es gibt viele, die einen guten Selbstwert haben, aber nicht emanzipiert sind. Sie orientieren sich einfach in der aktuell herrschenden traditionellen Gesellschaftsnorm, zum Beispiel an der Leistung. Dies zeigt sich nur schon im Vergleich des Freizeitverhaltens von Männern und Frauen. Männer betreiben gerne Sportarten, in denen man sich messen kann. Es geht ihnen weniger um Spass, Austausch, Mitmachen. Dadurch begrenzen sie sich selbst. Emanzipation heisst für mich, sich aus der Begrenzung zu holen. Nicht immer zu fragen, was man darf, was man soll. Dies fällt Männern schwerer, weil sie darin nicht gefördert wurden. Bei Männern geht es mehr darum, einen guten Selbstwert zu haben, wenn sie aus der herrschenden Gesellschaftsnorm heraustreten.

Meine Erfahrung ist, dass man sich als Mann oft rechtfertigen muss, wenn man nicht dem Rollenbild entspricht.

Das ist so, aber die Frauen müssen sich deswegen auch rechtfertigen. Darum ist das Vertrauen in die eigenen Werte und die Resilienz so wichtig.

Warum ist die Gesellschaft immer noch den alten Rollenbildern verhaftet?

Klischees sind allgegenwärtig. Angefangen in der Schule: Da betreiben Mädchen andere Sportarten als Knaben. Oder die Klassenlehrerin/der Klassenlehrer braucht «starke Knaben», um Stühle zu transportieren. Können Mädchen dies nicht? Was heisst schon «stark»? In Südafrika habe ich etwas Interessantes entdeckt: Dort sind Unihockey und Fussball Frauensportarten, bei uns werden sie klar als männlich betrachtet. Das zeigt: Wir werden auf eine bestimmte Weise geprägt und das bleibt dann so in den Köpfen.

Ganz offensichtlich ist es bei Spielsachen.

Genau, für Mädchen ist alles rosa, für Knaben gibt es Dinosaurier und Monster.

Was nützt eine Frauenförderung den Männern?

Eine starke Frau an der Seite befreit auch den Mann! Er muss dann neben der Eigenverantwortung nicht auch noch die Verantwortung für die Frau tragen. Gleichzeitig gibt eine emanzipierte Frau auch dem Mann Freiheit. Diese gegenseitige Freiheit vergrössert den Handlungsspielraum für sich selbst und gleichzeitig für die Partnerin/den Partner. Es besteht keine gegenseitige Abhängigkeit. Wenn beide alles im Haushalt können, spielt es keine Rolle, wer es macht. Wenn beide verdienen, kommen keine Existenzängste auf, wenn jemand die Stelle verliert. Das ist enorm entlastend.

Wie können und sollen Männer in der Familie die Frauen unterstützen?

Indem sie mehr die gewaltfreie Kommunikation leben. Diese baut auf den Bedürfnissen auf. Konkret heisst das: Nachfragen, wie es der Partnerin geht, was sie braucht. Und nicht fragen, was ihr fehlt. Also nicht defizitorientiert handeln, sondern unterstützend. So fördert man die die intrinsische Motivation, die Eigenmotivation. Negative Gefühle wie Angst oder Wut können abgebaut werden.

Wie können und sollen die Frauen im Gegenzug die Männer unterstützen?

Genau gleich! Beide sollen Verantwortung tragen und sich gegenseitig unterstützen. Dabei kommt es nicht einmal so darauf an, welches Partnerschaftsmodell man gerade lebt – so lange man die Eigenverantwortung wahrnimmt und eine andere Rolle einnimmt, falls es notwendig wird. Dazu muss man sich natürlich marktfähig halten und in Weiterbildungen investieren.

Was muss auf gesellschaftlicher und politischer Ebene geschehen, damit Frauen und Männer gleiche Bedingungen haben?

Es braucht ganz viele Rollenvorbilder. In der Wirtschaft wird dies wohl noch dauern... Einen wichtigen Beitrag leisten könnten aber Journalist*innen und Autor*innen, indem sie Texte schreiben, die der Zeit voraus sind und andere Rollenvorbilder einbringen. In Kinder- und Schulbüchern wäre es nur schon ein Fortschritt, wenn Knaben nicht mehr in der Mehr- und Mädchen in der Minderzahl vorkämen.

Sogar, wenn die Bücher von einer Frau geschrieben wurden, ist dies nicht der Fall. Die erfolgreichste Jugendbuchserie aller Zeiten heisst «Harry Potter» und nicht «Hermine Granger».

Da werden Rollenklischees bedient. Hermine ist eine Besserwisserin und Streberin, Harry ein tapferer Held. Es braucht andere Vorbilder und diese müssen für sich selbst sprechen.

 

Gespräch: Hansjörg Schmid

Dienstag, 20. Apr 2021

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Zur Person

Die als pädagogische Psychologin, Familientherapeutin und Mediatorin ausgebildete Franziska Bischof ist Gründerin und Leiterin der Powermanagement GmbH. Daneben ist sie Buchautorin und Dozentin an der Heilpraktikerschule Luzern.

Die Powermanagement GmbH ist spezialisiert auf die Themen Konflikt, Krise, Stress, Burnout, Resilienz und Achtsamkeit und erzielt mittels Interventionen, Mediationen, Verhandlungen, Coachings und Weiterbildung Lösungen.