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Gedächtnistraining mit Gregor Staub

Ein Alpkäse am Hals

Sich 20 Wörter in der richtigen Reihenfolge merken, 40 Vornamen korrekt den Personen zuordnen, thailändisch auf zehn zählen: Dafür braucht man nicht Stunden oder Tage, sondern lediglich einige Minuten. Der Gedächtnistrainer Gregor Staub demonstrierte es eindrücklich am „Workshop Weiterbildung“ für die Weiterbildungsverantwortlichen der Angestellten Schweiz.

Gregor Staub trainiert die Namen der Teilnehmenden des Workshops Weiterbildung Gregor Staub trainiert die Namen der Teilnehmenden des Workshops Weiterbildung

„Nennen Sie mir einen Nachnamen von der Teilnehmerliste, und ich sagen Ihnen den korrekten Vornamen“, sagt Gregor Staub fast als Erstes, als ich ihn zum Mittagessen treffe. Natürlich hat er sie alle drauf. Er hat sich die Namen auf der Autofahrt nach Zürich eingeprägt. Interessanterweise weiss er aber nicht mehr, was er bestellt hat, als das Essen aufgetragen wird. „Weil es nicht wichtig ist“, sagt er.

Gregor Staub ist ein Besessener. Er lebt seine Methode des Gedächtnistrainings, er verkörpert sie richtiggehend.

Angefangen hat bei Gregor Staub alles, weil er mit 16 auf der Kantonsschule Solothurn flog. Der Grund: Lernschwierigkeiten. „Fast alle Gedächtnistrainer starteten wegen einem Lernfrust“, weiss Staub. Gepackt hatte es ihn, als er im amerikanischen Fernsehen einen Knaben sah, der die Bundesverfassung auswendig konnte. So etwas könne jeder lernen, wurde in der Sendung behauptet. „Ich wollte sofort wissen, was dahinter steckt“, sagt Staub.

Schon die Griechen mussten sich die Dinge merken

Erarbeitet hat der Gedächtnistrainer seine Technik selbst. „Es gibt kein Studium für Gedächtnistrainer“, sagt Staub. Und fügt süffisant an: „Ich kenne keinen einzigen Professor, der es versteht.“ So hat sich Staub auf alte Quellen gestützt. Schon die Griechen und die Römer mussten nämlich Dinge auswendig lernen. Der römische Politiker und Philosoph Cicero zum Beispiel seine berühmten Reden. Aufschreiben war damals nicht so einfach möglich, wie man in den Asterix-Comics sieht.

In Kleinarbeit anhand unzähliger realer Beispiele hat Gregor Staub seine Technik mit Studenten und Schülern verfeinert. Seine Methode hält er für die beste auf dem Markt. Weil er den Leuten die Technik so weit beibringe, dass sie sie selber anwenden könnten. „Zur Technik allein gibt es aktuell sicher hundert Bücher“, sagt er, „aber das nützt nichts. Sie muss vermittelt werden“. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Staub hat Tausende von Vorträgen vor eineinhalb Millionen Zuhörern gehalten. Er zieht die Menschen in seinen Bann. Er bringt seine Methode rüber, wie der Schreibende am Workshop für die Weiterbildungsverantwortlichen der Angestellten Schweiz am 4. September 2015 selber erfahren hat. Und die Methode funktioniert: Verbesserungen des Erinnerungsvermögens sind sehr rasch feststellbar.

Keine Hexerei

Bevor Gregor Staub mit der ersten Übung beginnt, schreibt er ein einziges Wort gross auf den Flipchart: „Wille“. Ohne Motivation müsse man gar nicht beginnen, betont er, und fragt: „Wer will ein Liste von 20 Wörtern in der richtigen Reihenfolge auswendig lernen?“ Alle wollen. Staub fordert nun die Teilnehmer auf, 20 Wörter auf einer Liste zusammenzutragen. Diese lassen ihrer Fantasie freien Lauf: Das Spektrum auf dem Flipchart reicht vom Kuchenblech über das Koordinatensystem bis zum Tutu. Gregor Staub verspricht, dass die Teilnehmer die Liste in wenigen Minuten auswendig aufsagen werden können. Einige sind skeptisch.

Auch wenn man sich unter einem Kuchenblech, erodieren, einem Kochstudio, einem Kameramann oder einem Alpkäse durchaus etwas vorstellen kann, hat man normalerweise grosse Mühe, sich eine längere Liste solcher Begriffe zu merken. Deshalb greift Gregor Staub zu einem Trick: Man solle die ersten zehn Wörter Körperteilen zuordnen, von unten nach oben. Das Kuchenblech klebt am Schuh, die Knie erodieren, im Kochstudio in der Brust werden neue Rezepte ausprobiert, der Kameramann steht auf der Schulter und dreht einen Film, der Alpkäse stinkt am Hals und ist voller Löcher. Und siehe da: Nach einigen Malen die entsprechenden Körperteile berühren und die Begriffe in der Gruppe laut aufsagen, können alle die Liste vorwärts und rückwärts ziemlich fehlerfrei aufsagen.

Die weiteren Wörter verteilt Gregor Staub dann im Raum. Das Tutu hängt am Fenster, der Wanderweg kommt an eine Tischkante zu liegen. Auch hier klappt es schon nach wenigen Minuten einüben ganz ordentlich. Nun werden die beiden Listen zusammengeführt – und tatsächlich: Es ist möglich, sich 20 Begriffe recht schnell zu merken – und sie in der richtigen Reihenfolge vorwärts und rückwärts aufzusagen.

Sieben Zwerge spielen Fussball

Zahlen sind abstrakter als Wörter. Darum verbindet sie Gregor Staub in der nächsten Übung mit Bildern. 1 ist bei ihm ein Baum, 4 ist ein Auto (vier Räder) 6 ist ein Würfel (sechs Seiten). Bei 7 stellt er sich aus naheliegenden Gründen einen Zwerg vor, bei 11 denkt er an Fussball. Bei Zahlenreihen können diese Wörter nun zu kleinen Geschichten kombiniert werden. Gerade weil sie oft etwas absurd sind, kann man sich solche Geschichten merken. Ein Beispiel: Neben einem Baum spielt ein Zwerg Fussball mit einem anderen Zwerg. Da kommt Papa Zwerg mit seinem Auto angefahren, steigt aus und würfelt. Dies entspricht der Zahlenreihe 1 7117 746. „So kann man sich Telefonnummern in der Sauna einprägen, wo man ja nichts zum Schreiben hat“, sagt Gregor Staub. Wichtig dabei sei, dass man immer die selben Wörter für die Zahlen verwende.

Beim Pauken von Fremdsprachen kann man ebenfalls mit Zuteilungen an Körperteile, aber auch mit Assoziationen arbeiten. So lernen wir im Workshop Weiterbildung zum Abschluss auf thailändisch auf 10 zählen. Es macht einen Mordsspass! Solchen Spass hätten auch die Tausende von Schülern und Studenten, die mit Staubs Methode lernen, versichert der Gedächtnistrainer. Er zählt Beispiele auf von Kindern, die nicht mehr mit dem Lernen aufhören wollten.

Übung macht den Meister

Auf die ganz leichte Tour wird man auch mit der Methode Staub nicht zum Gedächtniskünstler. Man muss die Begriffe, die Eselsbrücken, die Assoziationen und die Methodik einüben. Je nachdem, was man lernen will, dauert das wenige oder mehrere Stunden. Aber was sind schon einige Stunden im Vergleich zu Monaten oder gar Jahren, die man ohne diese Technik dafür verwenden müsste? Mit der Übung fällt der Prozess dann immer leichter.

Auch das eigentliche Auswendiglernen ersetzt Gregor Staubs Methode nicht. Nur macht sie es viel schneller und effizienter und man hat wesentlich mehr Spass daran. „Das Ziel ist, das Gelernte von der linken in die rechte Hirnhälfte zu bringen“, sagt Gregor Staub. „Dann kann man es automatisch und ohne grosse Anstrengung abrufen.“ Wenn das keine Investition lohnt, was dann?

 

Hansjörg Schmid

Dienstag, 08. Sep 2015

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Kurs Gedächtnistraining mit Gregor Staub

Gregor Staub in Aktion

Die Angestellten Schweiz werden im kommenden Jahr ein Gedächtnistraining mit Gregor Staub als Tageskurs für Persönlichkeitsentwicklung (Schulung nach Mass) in ihr Kursprogramm aufnehmen.