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Buchtipp

Die Gegenkultur zur Digitalisierung

Das Paradies auf Erden versprechen uns die Gurus der Digitalisierung. Ihre Gegner fürchten eher höllische Zeiten anbrechen, wenn niemand korrigierend und regulierend eingreift. Wer sind diese Gegner? Wie kann es ihnen gelingen, der Digitalisierung einen menschlicheren Dreh zu geben? Der Betriebswirt Joël Luc Cachelin zeigt es in seinem erhellenden Buch „Offliner“ anhand von Analysen und Szenarien auf.

Alle Menschen sind verchipt und können jederzeit lückenlos überwacht werden. Sie leben in einer Monokultur und haben ihr selbständiges Denken weitestgehend aufgegeben. Sie lassen sich ohne Aufzumucken von Algorithmen steuern. Diese Algorithmen werden von den Grosskonzernen der Digitalisierungsindustrie programmiert. Die Konzerne, eigentliche Regierungen gibt es nicht mehr, sorgen dafür, dass die Menschen beschäftigt, unterhalten und nicht zuletzt gesund sind. Dies ist eines der Zukunftsszenarien im Buch „Offliner“. Ganz ähnlich wie im Buch Brave New World von Aldous Huxley stellt sich der Autor Joël Luc Cachelin die Welt vor, wenn sich die Digitalisierungstreiber auf der ganzen Linie durchsetzen.

Terror oder Parallelgesellschaften

Es könnte aber auch ganz anders kommen: Die Digitalisierungsgegner werden in die Offensive gedrängt und greifen zu Gewalt. Terror beherrscht die Welt. Die Offliner stehen im Krieg gegen die Onliner.

Denkbar für Cachelin ist auch, dass die beiden Kulturen relativ unabhängig nebeneinander stehen. Wobei es jedoch stets zu Reibereien und gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Die Gesellschaft ist stark in Klassen eingeteilt und die Einkommen sowie die Lebensstandards sind sehr ungleich.

Keines dieser Szenarien macht wirklich Lust auf die Zukunft. Zum Glück entwirft der Autor ein viertes, ein versöhnliches. Er nennt es „Politische Gegenbewegung“. „Im Szenario "Politische Gegenbewegung" tragen On- und Offliner ihre Meinungsunterschiede offen aus“, schreibt Cachelin. Es ist ein partizipatives Modell. Klar hofft der Autor, dass sich dieses durchsetzt – nur wie?

Die Offliner müssen sich einmischen

Dafür müssen sich die Offliner, die nicht unbedingt Gegner der Digitalisierung sein müssen, sondern nur kritische Geister, zuerst einmal zusammenraufen. Dass dies kein Spaziergang wird, zeigt sich nur schon daran, dass sie eine äusserst heterogene Gruppe sind. Gegen die Digitalisierung wehren sich Umweltschützer ebenso sehr wie Gottesfürchtige, Nationalisten wie Globalisierungsgegner.

Weiter braucht es mündige Bürger, die sich einbringen. Nur mit demokratischer Beteiligung kann es gelingen, so Cachelin, die Digitalisierung so zu steuern, dass sie allen Menschen nützt und nicht einfach nur einer kleinen, reichen Oberschicht.

Das Buch „Offliner“ ist sehr systematisch aufgebaut und anschaulich geschrieben. Es zeigt mit Nachdruck die Dringlichkeit auf, mit der unsere Gesellschaft der Digitalisierung Rahmenbedingungen setzen sollte. Das ist für den Autor eine höchst politische Frage. Joël Luc Cachelin plädiert dafür, dass die Macht weiterhin beim Volk bleibt und nicht an die Digitalisierungstreiber in den grossen Konzernen geht.

 

Hansjörg Schmid 

Mittwoch, 03. Feb 2016

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