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„Bitcoin wird an Bedeutung gewinnen“

Bitcoin ist längst mehr als ein obskures Zahlungsmittel für Computernerds. Es wird Zeit, dass wir uns ernsthaft mit dieser neuen globalen Währung auseinandersetzen. Marc Badertscher, Redaktor der Handelszeitung, erklärt im Interview, was hinter Bitcoin steckt und was die digitalen „Münzen“ speziell macht. Er verfolgt das Thema Bitcoin und Blockchains seit zwei Jahren.

Herr Badertscher, besitzen Sie selber Bitcoins?

Ja. Genau so, wie ich auch stets etwas Bargeld mit mir herumtrage. Aber Bitcoin ist natürlich kein geläufiges Zahlungsmittel.

Viele Leute verstehen bei Bitcoin nur Bahnhof. Wie kann man Bitcoin in drei Sätzen erklären?

Bitcoin ist eine Währung, wie Franken oder Dollar. Nur wird sie nicht von einer Zentralbank herausgegeben, sondern von einem Programm, das auf Tausenden von Computern weltweit läuft. Die Computer kontrollieren sich gegenseitig, damit alles seine Richtigkeit hat. Es funktioniert.

Warum soll sich jemand Bitcoins zulegen?

Es gibt keinen zwingenden Grund. Aber mit Bitcoin lassen sich gerade im Internet Dinge und Dienstleistungen sehr einfach bezahlen. Und einige Leute trauen einigen staatlichen Währungen nicht mehr voll und ganz. Da kann Bitcoin eine Alternative sein. Aber primär ist Bitcoin heute ein Spekulationsobjekt. Die meisten, die Bitcoins kaufen, hoffen auf eine Wertsteigerung.

Was sind die Vorteile gegenüber anderen Währungen?

Bitcoin-Transaktionen können von keiner Behörde, keiner Zentralbank unterbunden werden. Man müsste das Internet abschalten. Diese Eigenschaft ist das, was Bitcoin so revolutionär und auch kontrovers macht. Es ist wie Bargeld. Da muss ich auch niemanden fragen, wenn ich jemandem eine Zehnernote geben will. So etwas gab es im elektronischen Zahlungsverkehr noch nicht.

Bitcoins sind eine digitale Währung. Wie sicher ist das?

Das ganze Konzept von Bitcoin ist enorm robust und widerstandsfähig. Seit sechs Jahren werden täglich Bitcoins herumgeschickt. Es funktioniert einfach. Ohne grundsätzliche Fehler. Aber: Bitcoins können geklaut werden, weil jeder Nutzer über so etwas Ähnliches wie ein Passwort verfügt. Und Hacker versuchen immer wieder, an dieses zu gelangen. Leider zum Teil mit Erfolg. Aber die Schutzmechanismen nehmen laufend zu.

Wie generiert Bitcoin seinen Wert, allein durch Vertrauen?

Eher durch die Nachfrage. Aber die hängt natürlich mit Vertrauen zusammen. Wenn niemand mehr der argentinischen Wirtschaft und der dortigen Zentralbank traut, dann verliert der dortige Peso an Wert. Das ist aktuell der Fall. Währungen haben Wert, weil die Leute einen Wert darin sehen. Das ist bei Bitcoin nicht anders.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Bitcoin zu einer globalen Währung wird?

Bitcoin ist bereits ein globales Phänomen. Allerdings ein Randphänomen. Doch die Währung ist noch jung, und alles ist schwer abschätzbar. Klar ist, dass die Bitcoin-Technologie noch nicht bereit wäre, deutlich mehr Transaktionen als heute zu verarbeiten.

Bitcoin konkurriert Landeswährungen. Was heisst das für die Volkswirtschaften der Länder?

Sollte Bitcoin irgendwann zu einem wichtigen makroönomischen Faktor werden, gäbe es sicherlich immensen Diskussionsbedarf. Regierungen und Zentralbanken hätten deutlich weniger Möglichkeiten, die Wirtschaft, die Konjunktur, zu steuern. Aber dieses Szenario ist nicht absehbar.

Was heisst es für die Banken?

Bitcoin ist nur eine erste Anwendung der sogenannten Blockchain-Technologie, die dahintersteckt. Die Banken sind bereits daran, diese Technologie auf ihre Nützlichkeit für sich zu prüfen. Die Währung selber ist für die Banken relativ unwichtig. Und Geldinstitute wird es immer geben. Die Menschen wollen jemandem vertrauen und Dinge delegieren.

Momentan sind die Bitcoins sehr ungleich verteilt – wie auch das „normale“ Geld. Wenige besitzen viel und horten das Geld. Wie kann man diesem Problem begegnen?

Das ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung und hat nichts mit einer spezifischen Währung oder Anlageklasse zu tun.

Scheinbar gibt es unter den Bitcoin-Entwicklern einen Richtungsstreit. Ein Teil möchte die Geschwindigkeit für Transaktionen erhöhen. Kommt es zum Bruch?

Kurzfristig nicht. Im Moment sieht es danach aus, als ob sich die Chefprogrammierer zusammenraufen. Aber langfristig geht es schon um die Grundsatzfrage, was Bitcoin sein soll: Eine Währung ohne Zensurmöglichkeiten oder doch eher ein zunehmend zentralistisch geführtes, dafür leistungsfähigeres Transaktionssystem. Man kann aus technologischen Gründen nicht beides gleichzeitig haben. Zumindest nicht heute. Aber auch daran arbeiten die Entwickler.

Wagen Sie eine Prognose: Wo steht Bitcoin in fünf, wo in zehn Jahren?

Bitcoin wird an Bedeutung gewinnen. Vielleicht entstehen aber dereinst neuere, bessere digitale Währungen, die Bitcoin das Wasser abgraben.

 

Interview: Hansjörg Schmid

Freitag, 23. Okt 2015

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