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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

In Deutschland dürfen Väter genauso lange zu Hause bleiben wie Mütter – in der Schweiz nicht

Während hierzulande sogar ein minimaler zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub bekämpft wird, gibt es in unserem nördlichen Nachbarland längst einen grosszügigen Elternurlaub. Man könnte neidisch werden.

Nach der Geburt eines Kindes, steht die Welt Kopf: Da ist plötzlich ein kleiner Mensch, der die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern einfordert und rund um die Uhr betreut werden will. Für viele Paare bedeutet das nicht nur eine emotionale Herausforderung, sondern zumeist auch eine finanzielle. In Deutschland springt in dieser Phase der Staat ein. Er zahlt frischgebackenen Vätern und Müttern ein Elterngeld als Lohnersatzleistung aus. Kurz vor und während der Elternzeit steht der Arbeitnehmer zudem unter Kündigungsschutz. Von solchen Zuständen können die Schweizer aktuell nur träumen.

Mindestens zehn Tage Urlaub in der EU rund um den Geburtstermin

Eine EU-Regelung aus 2019 schreibt vor, dass Väter mindestens zehn Tage rund um den Geburtstermin ihres Kindes bezahlten Urlaub nehmen dürfen.

In Deutschland sind die Vorgaben aus der EU-Regelung bereits weitgehend durch Elternzeit und Elterngeld abgedeckt – davon ist die Schweiz noch weit entfernt. Da sie nicht zur Europäischen Union (EU) gehört, besteht auch keinerlei Pflicht, dahingehende Gesetze zu schaffen. Tatsächlich haben Schweizer Väter gerade mal einen Tag Anspruch auf Urlaub, wenn sie ein Kind bekommen. Mütter dürfen immerhin 14 Wochen bezahlten Urlaub nehmen, in dem sie 80 Prozent ihres Gehaltes ausgezahlt bekommen.

In Deutschland dürfen beide Elternteile die Zeit, in der sie zu Hause bleiben, frei auf 14 Monate aufteilen, sofern Vater und Mutter jeweils mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen. Innerhalb dieser wird das Eltern- bzw. Vaterschaftsgeld ausgezahlt (mehr dazu erfahren Sie hier). Dieses beträgt höchstens 67 Prozent des Nettoeinkommens, jedoch maximal 1800 und mindestens 300 Euro.

Diese Vorteile entstehen, wenn der Vater zu Hause bleibt

Im Jahre 2020 ist das Bild der Hausfrau, die die Kinder hütet, längst überholt. Das zeigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im Jahr 2018 haben 7 Prozent mehr Männer Vaterschaftsgeld bezogen als 2017. Insgesamt haben 433 000 Väter 2018 Elterngeld bekommen.

Mit einem Familienvater, der seinen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub wahrnimmt (sofern einer besteht), gehen zahlreiche Vorteile einher:

  • Mutter und Vater haben die Chance, die ersten Lebensmonate des Neugeborenen gemeinsam zu erleben.
  • Dadurch wird nicht nur die Bindung zwischen Vater und Kind, sondern auch die zwischen den frischgebackenen Eltern gestärkt.
  • Väter können ihre Partnerin in der Kinderbetreuung unterstützen und entlasten.
  • Sie können die Auszeit vom Berufsalltag auch als eine Phase der neuen Orientierung nutzen und dürfen während der Elternzeit zudem nicht gekündigt werden.
  • Der Vater ermöglicht der Mutter u. U. einen früheren Wiedereinstieg in den Beruf, wodurch ihre Arbeitsmarkttauglichkeit erhöht wird.

Bleibt der Vater also (auch) zu Hause, kann das dem Familienleben sehr zuträglich sein. Die Schweiz hat hier Nachholbedarf.

Julia Heine

Montag, 17. Feb 2020

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Zur Autorin

Julia Heine hat Online-Journalismus an der DEKRA Hochschule für Medien in Berlin studiert und begeistert sich seither für rechtliche Kopfnüsse und hilfreiche Ratgebertexte.