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Fachkräftemangel – auch für die Energiewende eine Herausforderung

Für die Energiewende muss viel Infrastruktur neu oder umgebaut werden. Dies kann nur gelingen, wenn genügend Fachkräfte dafür zur Verfügung stehen.

Man kann es nicht genug betonen: Der Klimawandel erfordert von uns, dass wir unsere Infrastrukturen klimatauglich umbauen. Die Infrastrukturen sind nämlich ausschlaggebend, ob wir genügend erneuerbare Energien zur Verfügung haben werden und ob wir mit Energien effizient umgehen.

Nehmen wir das Beispiel Solarenergie. Werden aktuell pro Jahr rund 600 Megawatt Solaranlagen auf unseren Dächern zugebaut, muss diese Menge in den nächsten drei bis fünf Jahren mindestens verdreifacht werden, wenn wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllen wollen. Gleiches gilt für die Energieeffizienz bei den Gebäuden und beim Verkehr. Hier muss die Elektrifizierung von Heizungen und Fahrzeugen vorangetrieben werden.

Es braucht die Menschenkraft

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Diese Arbeiten müssen durch Menschen ausgeführt werden. Der Fachkräftemangel ist deshalb ein Problem, das nicht nur die produzierende Industrie betrifft, sondern genauso sehr die Bauindustrie und das Installationsgewerbe.

Natürlich gelingt es beispielsweise bei der Solarenergie immer besser, die Projekte durch gute Planung und intelligente Montagesysteme schneller zu realisieren und den Arbeitsaufwand zu minimieren. Dies senkt nicht nur die Kosten, sondern hilft auch, mehr Anlagen rechtzeitig zu realisieren. Letzten Endes sind es aber die Mitarbeitenden, welche die Solarpanels auf das Dach bringen, montieren und anschliessen müssen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Solarwirtschaft händeringend neue Mitarbeitende sucht. Einige grosse Unternehmen könnten auf einen Schlag 100 neue Mitarbeitende einstellen.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Verband Swissolar verschiedene Programme auf die Beine gestellt hat, um neue Fachkräfte zu gewinnen. Das beginnt mit niederschwelligen Kursen, in denen beispielsweise Flüchtlinge oder auch Personen mit schwachem schulischen Leistungsausweis sehr schnell für die Montage fit gemacht werden. Neu soll ab 2024 auch eine Lehre als Solarteur angeboten werden. Genauso wichtig sind aber die Quereinsteigerprogramme, bei denen Fachkräfte aus anderen Fachgebieten in der Planung und Erstellung von Solaranlagen ausgebildet werden.

Jobs verändern sich

Die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft wird zu grossen Veränderungen führen. Jobs werden sich verändern. Beispielsweise ist davon auszugehen, dass in zehn Jahren der Einbau einer Solaranlage anstelle von Dachziegeln für die Dachdeckerin, den Dachdecker die übliche Ausführungsvariante sein wird. Einige Berufe werden verschwinden. Ölheizungen wird es beispielsweise in 20 Jahren wohl kaum mehr geben. Kaminfeger finden neue Beschäftigungsfelder in der Reinigung von Lüftungen oder in der Solarenergie. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch im Automobilgewerbe ab. Elektrofahrzeuge sind deutlich weniger reparaturanfällig, weshalb in den Werkstädten mit zunehmender Verbreitung der Elektrofahrzeuge wohl Jobs verschwinden werden.  

Die Energiewende stellt uns also vor Herausforderungen. Sie bietet aber auch Chancen. Der Bund ist gefordert, den Branchen beim Übergang zu helfen. Es ist erfreulich, dass er in verschiedenen Branchen Quereinsteiger-Programme finanziert und die Verbände dabei unterstützt, den potenziellen zukünftigen Fachtkräften den Zugang in neue Arbeitsfelder zu ermöglichen.

In der Pflicht sind auch die Unternehmen. Dass es schwierig ist, Fachkräfte für den Bau zu rekrutieren, hat nämlich auch damit zu tun, dass die Anstellungsbedingungen oft zu wenig attraktiv sind.

Christian Zeyer, Geschäftsführer Swisscleantech

Montag, 29. Aug 2022

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Zur Person

Christian Zeyer ist Gründungsmitglied und Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands swisscleantech. Er bringt Erfahrung mit aus der Industrie und Energieberatung. swisscleantech bringt Firmen zusammen, die für klimataugliches Handeln einstehen.