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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Ein solider Rentenkompromiss für eine sichere Altersvorsorge

Im Grunde sind sich alle einig: Die Altersvorsoge muss nach 20 Jahren der Entwicklung der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes angepasst werden, damit die Renten auch in Zukunft für alle gesichert sind. Weil in den letzten zwei Jahrzehnten alle Rentenabbauvorlagen an der Urne gescheitert sind, hat sich eine breite Allianz auf einen ausgewogenen Kompromiss geeinigt, der das Rentenniveau halten kann – mit relativ geringen Kosten. Dazu kann das Volk nun am 24. September 2017 Stellung nehmen, indem es darüber abstimmt. Die Angestelltenverbände und Gewerkschaften stimmen der Vorlage ohne Ausnahme zu.

In den kommenden Jahren werden bekanntlich die geburtenstarken Jahrgänge pensioniert – die sogenannte Babyboomer-Generation. Dies führt zu einem Finanzierungsengpass, für den sich eine Zusatzfinanzierung aufdrängt. Das Parlament hat deshalb der Überführung der 0,3 % Mehrwertsteuer der auslaufenden IV-Zusatzfinanzierung in die AHV ab 2018 sowie einer Erhöhung der MWST um 0,3 % auf 8,3 % ab 2021 zugestimmt. Damit ist das eidgenössische Parlament den Gewerbe- und Arbeitgeberverbänden gefolgt, denn der Bundesrat hatte ursprünglich eine Erhöhung der MWST um 1,5 % vorgeschlagen. Mit diesen kostengünstigen  Massnahmen ist die AHV bis 2030 gesichert. Bereits heute darüber hinaus zu sanieren ist nicht zielführend, weil viele unsichere Annahmen hinter den Berechnungen stecken, zum Beispiel die Entwicklung der Lebenserwartung oder der sich rasant wandelnde Arbeitsmarkt. Die oft gezeichneten Schreckensszenarien der AHV-Finanzen sind Schwarzmalerei und führen höchstens zu „Gürtel enger schnallen auf Vorrat“.

Modernisierung der Altersvorsorge

Mit der Sicherung der Renten 2020 sind ausserdem einige Fortschritte für die Angestellten verbunden. Ein wichtiger Eckpfeiler für diese Modernisierung ist zum Beispiel die Flexibilisierung des Rentenalters. Anstatt das Rentenalter auf 67 zu erhöhen, geht das Massnahmenpaket zur Sicherung der Renten auf die realen Verhältnisse im Arbeitsmarkt ein. Jene Arbeitgeber, die einen Arbeitsplatz länger zur Verfügung stellen möchten und können, erhalten in Zukunft die Möglichkeit, Angestellte und deren Erfahrung auch mit einer Teilpensionierung in der Firma halten zu können. Die freiwillige Basis ermöglicht es auch, den unterschiedlichen Voraussetzungen der verschiedenen Aufgaben und Bedürfnissen der Angestellten gerecht zu werden.

Eine weitere Modernisierung ist die bessere Abdeckung der Teilzeitarbeit in den Pensionskassen. Damit wird die Ungleichbehandlung von Frauen in der zweiten Säule reduziert. Eine klare Verbesserung für ältere Angestellte ist ausserdem die Möglichkeit, bei einem Stellenverlust vor der Pensionierung (ab 58) bei der eigenen Pensionskasse versichert zu bleiben, wenn keine Stelle mehr gefunden wird. Damit bleibt ihr Rentenanspruch gewährt – was heute noch nicht der Fall ist. Als Rückschritt gilt klar die Anpassung des Frauenrentenalters auf 65. Das ist eine Verschlechterung der Rentenbedingungen der Frauen. Anderseits verbessern sich die Renten vieler Frauen, dank der leichten Stärkung der AHV.

Sicherung des Rentenniveaus über beide Säulen

Die Pensionskassen befinden sich in einer Abwärtsspirale. Immer mehr Vorsorgeeinrichtungen senken den Umwandlungssatz massiv – das kann mit einer Reform nicht aufgehalten werden, weil rund 85 % der PK-Renten im Überobligatorium sind, und deshalb nicht durch die Mindestbestimmungen geschützt sind. Von einer dramatischen Situation zu sprechen ist nicht übertrieben. Unsere neusten Untersuchungen haben ergeben, dass die PK-Renten flächendeckend um 20 bis 30 % sinken. Für ein mittleres Altersguthaben von 500 000 Franken kann das schnell 8000 Franken weniger pro Jahr bedeuten. Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind die tiefen Zinsen und eine sehr vorsichtige Optik der Kassen. Man kann von den Senkungen halten was man will – sie sind Realität für eine Mehrheit der Versicherten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass bei der Sicherung der Altersvorsorge 2020 diese Entwicklung über die AHV abgefedert wird mit dem viel debattierten Zuschlag für Neurentner/innen (840 Franken pro Jahr für Alleinstehende und bis zu 2712 Franken pro Jahr für Ehepaare). Im aktuellen Umfeld können nur die Renten aus der ersten Säule sicher garantiert werden. Und genau dies ist zentral, um das Vertrauen in die Altersvorsorge der Schweiz zu bewahren und die Balance zwischen den beiden Säulen auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Mit diesem Rentenkompromiss 2020 werden zudem die AHV und die Pensionskassen nicht gegeneinander ausgespielt. Im Gegenteil: Der Herausforderung einer alternden Gesellschaft wird Rechnung getragen und die Altersvorsorge wieder auf eine solide Basis gebracht.

Urban Hodel, Geschäftsführer PK-Netz

Montag, 29. Mai 2017

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Zum Autor

Urban Hodel (31) ist Betriebsökonom FH und seit 2015 Geschäftsführer vom PK-Netz, der Pensionskassenplattform der Arbeitnehmenden, einer breiten Allianz von Angestellten, um die Stimme der Versicherten in den Pensionskassen zu stärken. Das PK-Netz ist ein Netzwerk aus 17 Arbeitnehmenden-Organisationen, die Angestellten Schweiz sind ebenfalls Mitglied.

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