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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Personenfreizügigkeit

Zuwanderung ungebremst

Die Schweiz bleibt als Arbeitsort für Ausländer hoch attraktiv. Dies zeigen die neusten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft.

73 000 Einwohner mehr wies unser Land im letzten Jahr auf. Die Zuwanderung übertraf die Abwanderung wiederum deutlich. Die meisten Zuwanderer, nämlich 50 600, kamen aus den EU-Ländern, vor allem aus den krisengebeutelten Südländern Portugal, Italien und Spanien. Die Nettozuwanderung aus Deutschland hingegen ging deutlich zurück. Dies sind einige der Entwicklungen, die der aktuelle Observatoriumsbericht über die Personenfreizügigkeit des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco aufzeigt.

Die Migranten kommen vor allem wegen der Arbeit in die Schweiz. Bei den EU- oder EFTA-Bürgern waren es über 60 Prozent. Einen besonders starken Beschäftigungszuwachs von Ausländern gab es im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei den Dienstleistungen, aber auch in der Industrie. Nach wie vor wandern viele hoch qualifizierte Fachkräfte ein – über die Hälfte von ihnen verfügt über einen tertiären Bildungsabschluss.

Verschärfte Konkurrenzsituation in Grenzregionen

„Trotz der insgesamt erfreulichen Arbeitsmarktentwicklung kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Konkurrenz für die Ansässigen durch ausländische Arbeitskräfte in einzelnen Regionen und Arbeitsmarktsegmenten verstärkt hat:“ Dies stellt das Seco in der Medienmitteilung zum Observatoriumsbericht fest. Weniger zurückhaltend formuliert heisst das: In gewissen Grenzregionen buhlen die ausländischen mit den einheimischen Arbeitskräften um die Stellen. Da die Löhne im grenznahen Ausland teilweise deutlich tiefer sind als hierzulande, geraten auch unsere Löhne stark unter Druck. Spürbar ist dies, neben Genf, vor allem im Tessin, das von der Problematik am stärksten betroffen ist. Dort sind ein Viertel der Arbeitskräfte Grenzgänger. Die Tessiner Löhne sind die tiefsten in der Schweiz.

Flankierende Massnahme stärken

Trotz der angespannten Situation in den Grenzgebieten kommt das Seco zum Schluss, dass von der Zuwanderung „wenn überhaupt – nur geringfügige negative Auswirkungen (…) auf Löhne, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit“ ausgingen. Das mag pauschal wohl stimmen, holt aber die Befindlichkeit derjenigen nicht ab, die in den Grenzregionen Angst um ihren Job haben und Lohnsenkungen befürchten müssen. Wenn im Tessin sogar die europafreundliche SP beginnt, am Nutzen der Bilateralen Verträge für ihren Kanton zu zweifeln, dann ist das ein Alarmzeichen. Immerhin scheint das Seco das Problem erkannt zu haben. Es hält in der Medienmitteilung fest: „Sehr hohe Priorität behält auch die Kontrolle und Durchsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Rahmen der Flankierenden Massnahmen, wobei auf die Grenzregionen der lateinischen Schweiz weiterhin besonderes Augenmerk zu legen ist.“ Der Ansatz ist richtig, man wünschte sich aber ein deutlicheres Bekenntnis zu einer Stärkung der Flankierenden Massnahmen.

Inländisches Potenzial besser nutzen

Die Angestellten Schweiz sind nach wie vor überzeugt, dass die Bilateralen Verträge mit der EU unserem Land viele wirtschaftliche Vorteile bringen. Der freie Personenverkehr darf aber nicht zum Nachteil für die inländischen Arbeitskräfte werden. Darum führt kein Weg daran vorbei, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser zu fördern und zu nutzen. Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm kann sich sogar einen sanften Inländervorrang vorstellen, wie er in einem Interview sagt. Dies wäre auch für eine Mehrheit der Mitglieder der Angestellten Schweiz eine valable Möglichkeit, wie eine Umfrage gezeigt hat.

 

Hansjörg Schmid

Dienstag, 23. Jun 2015

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