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„Wir sind seit über 125 Jahren nachhaltig“

Remo Küry fährt mit dem Zug oder Hybridauto zu seinem Arbeitsplatz bei ABB in Baden. Dort setzt er sich als Country Sustainability Manager von ABB Schweiz für die Umsetzung der ABB-Nachhaltigkeitsstrategie in der Schweiz ein. Im Interview erklärt er, wie das Unternehmen zu einer nachhaltigeren Welt beiträgt.

Herr Küry, Sie sind in Ihrem Unternehmen Beauftragter für Nachhaltigkeit. Was bedeutet für Sie der Begriff Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist für mich die ausgewogene Beziehung zwischen den drei Bereichen Umwelt, Wirtschaftlichkeit und sozialer Verantwortung. Nur wenn diese drei Elemente in einem vernünftigen Mass zueinander stehen, ist man erfolgreich. Nachhaltigkeit ist die Lebensgrundlage für die künftigen Generationen. Handeln wir nicht nachhaltig und verbrauchen unseren Planeten, haben nachfolgende Generationen ein riesiges Handicap. Das finde ich nicht in Ordnung.

Welche Aspekte umfasst Nachhaltigkeit bei ABB?

Nachhaltigkeit bei ABB umfasst nicht nur den Umweltschutz, sondern auch die Arbeitssicherheit, Gesundheit und Sicherheit sowie die soziale Verantwortung.

Was kann – oder muss – ein Unternehmen tun, um nachhaltig zu sein?

Ein Unternehmen muss stets an der eigenen Wirtschaftlichkeit arbeiten. Diese muss gegeben sein, damit es überhaupt weiterexistieren kann. Weiter muss ein Unternehmen ökoeffizient sein, d.h. möglichst umweltverträglich und ressourcenschonend arbeiten. Schliesslich hat es die soziale Verantwortung gegenüber dem Umfeld – ich denke da vor allem an die Gesellschaft und die Mitarbeitenden – wahrzunehmen.

Was tut Ihr Unternehmen konkret, um selber nachhaltig zu wirtschaften?

ABB verfolgt eine globale Nachhaltigkeitsstrategie mit klar definierten, messbaren Zielen, bei denen wir die Fortschritte laufend überprüfen. In der Schweiz haben wir beispielsweise seit 1990 unsere CO2-Emissionen halbiert und unsere Energieeffizienz deutlich gesteigert. Wir haben ausserdem den Anteil erneuerbarer Energien an unserem Energieverbrauch erhöht. So erzeugen wir etwa Solarenergie auf den Dächern unserer Betriebe in Uster und Turgi. Die Industrie bemüht sich – gefragt sind nun aber auch die privaten Haushalte.

ABB ist ja weltweit an vielen Standorten vertreten. Gelten überall die gleichen Vorgaben?

Die Ziele sind für alle gleich. Einige Gesellschaften haben vielleicht einen grösseren Nachholbedarf als andere. Dort braucht es eben grössere Anstrengungen. Die Resultate unserer Bemühungen publizieren wir jedes Jahr in einem Nachhaltigkeitsbericht. Dieser enthält auch soziale Komponenten.

Stellt man in solchen Berichten die Dinge nicht schöner dar, als sie sind?

Es gibt einen klar definierten, internationalen Standard, wie man Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen hat, und der Bericht wird streng überprüft. Man muss alle Zahlen nachweisen können.

Wie wichtig ist es für ABB, Produkte herzustellen, welche selber zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen?

ABB unterstützt ihre Kunden mit Lösungen, die die Energieeffizienz erhöhen und die umweltschädigenden Einflüsse reduzieren. Das ist so wichtig, dass wir es schon seit über 125 Jahren tun. Früher nannten wir es einfach anders und sprachen etwa von Wirkungsgrad. BBC, die Vorgängerfirma von ABB, baute beispielsweise Trafos, die am Markt erfolgreich waren, weil sie einen besseren Wirkungsgrad als andere hatten. ABB war und ist am Markt erfolgreich, weil wir Produkte entwickeln, die den Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen. Einen Elektromotor kann man auch mit weniger Know-how entwickeln und er funktioniert, aber nicht so effizient wie unserer.

Er ist dafür billiger…

Sicher, aber solche Produkte sind weniger nachhaltig. Man kann es vergleichen mit billigen Staubsaugern, die schwerer sind, mehr Energie verbrauchen, schlechter saugen und schneller kaputt gehen. Wir stellen Industriegüter her, die 40 Jahre leben, dann revidiert werden und nochmals so lange halten.

Der Konsument entscheidet halt oft nur aufgrund des Preises.

Hat er einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, wird er sich das nächste Mal für die bessere Variante entscheiden.

In der Schweiz können wir uns den teureren Staubsauger vielleicht noch leisten, aber das geht doch wohl nicht überall.

Man muss sich überlegen, ob das Produkt den Preis wert ist. Dazu gehört, den Nutzen einzuberechnen – und der Umweltnutzen gehört hier auch dazu. ABB ist vom Bund ebenso aufgefordert wie Sie und ich als Staatsbürger, die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Sie stellen nun ja keine Staubsauger, sondern Investitionsgüter her.

Genau, und dort macht man die Kalkulation bezüglich Nutzen sehr genau. Im Vordergrund bei Investitionsgütern steht der Kundennutzen. Mit unseren Turboladern für Schiffsmotoren ist es zum Beispiel möglich, den Treibstoffverbrauch dramatisch zu reduzieren. Darum investiert der Kunde in ein solches Produkt.

Haben Sie andere Beispiele von innovativen Produkten, die den Kunden in punkto Nachhaltigkeit einen Nutzen bringen?

Wir haben den „ABB Ability Smart Sensor“ entwickelt, den man an einem Motor anbringen kann und der Messungen zum Zustand des Gesamtantriebs durchführt. So findet man zum Beispiel sofort heraus, ob der Antrieb (z.B. ein Motor mit Pumpe) rund läuft oder ob bald ein Unterhalt fällig wird. Das reduziert Motorstillstandzeiten um bis zu 70%, verlängert die Lebensdauer um bis zu 30% und senkt den Energieverbrauch um bis zu 10%. Ein anderes Beispiel sind die elektrischen TOSA-Busse in Genf. Wir haben Systeme entwickelt, dank denen die Batterien dieser Busse an Haltestellen in rund 15-20 Sekunden aufgeladen werden können. An den Wendeschlaufen, wo die Busse länger stehen, wird etwas länger aufgeladen. Das reicht, um den Bus den ganzen Tag zu betreiben.

Bei Batterien, die Sie nicht selber herstellen, taucht ja das Problem auf, dass seltene Rohstoffe verarbeitet werden. Was passiert, wenn diese aufgebraucht sind?

Das ist tatsächlich ein Problem, das angegangen werden muss. Ganz wichtig ist auch, dass man verbrauchte Batterien nicht wegwirft, sondern die Stoffe rezykliert. Die Elektromobilität ist bereits jetzt ein Erfolg. Wer hätte gedacht, dass man Mitte 2018, wenn man im Jahr rund 20 000 Kilometer zurücklegt, elektrisch rentabler fährt als mit Benzin?

Wie nützen Ihre Produkte den einzelnen Menschen?

Ich habe die Hausaufgaben erwähnt, die wir als Staatsbürger im Bereich Umweltschutz haben. Sie können sich beispielsweise ein Elektroauto kaufen. Solche Fahrzeuge haben einen Wirkungsgrad von rund 85%, im Gegensatz zu den 25% bei Verbrennungsmotoren. ABB stellt für Elektroautos Schnelladestationen her, dank denen Sie Ihr Fahrzeug in kurzer Zeit aufladen können. Weitere Möglichkeiten haben Sie beispielsweise mit unserer Gebäudeautomationstechnologie, die Ihnen hilft, sehr viel Energie einzusparen und erst noch Ihren Komfort zu erhöhen.

Was tun Sie selber, um nachhaltig zu sein?

Ich fahre ein Hybridauto und ich habe die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt. Das Warmwasser bereite ich mit Solarpanels auf und ich erhelle mein Haus mit LED-Lampen.

Wo lohnt es sich, anzusetzen?

Relevant ist es in Haushalten vor allem dort, wo geheizt oder gekühlt wird sowie beim Abfall, der Beleuchtung und der Mobilität. Also sind neben der Heizung auch der Herd, der Backofen und der Kühlschrank sowie die Kühltruhe zu prüfen. Beim Abfall sammeln wir zwar Papier, Karton und PET. 60% des Abfalls sind aber Plastik. Er kann auch gesammelt und ins Recycling-Center gebracht werden.

Wo lohnt es sich eher nicht, anzusetzen?

Eine Nachbarin von mir nutzt das Wasser, mit dem sie den Salat gewaschen hat, zum Giessen der Pflanzen. Ich weiss nicht, ob sich das lohnt, relevanter wäre vielleicht die Anschaffung eines energieeffizienteren Kühlschranks. Aber ich finde es trotzdem positiv, dass sie auch im Kleinen an die Umwelt denkt.

Hatten Sie auch schon Vorfälle bei ABB, bei denen die Umwelt geschädigt wurde?

Grosse Katastrophen hatten wir nie. Aber es kann schon passieren, dass Öl in einen Schacht gerät. Dann kommt sofort die betriebsinterne Feuerwehr und bindet es. Die Notfallvorsorge gehört auch zur Nachhaltigkeit, ebenso wie die Arbeitssicherheit.

Wie weit genügen all die geschilderten Anstrengungen, um unsere Welt zu erhalten?

Vieles ist schon erreicht worden: Vor 50 Jahren diagnostizierte der Club of Rome, dass noch im 20. Jahrhundert die Rohstoffe zu Ende gehen würden. Dies trat dann nicht ein, aus verschiedenen Gründen. Wir verbrauchten weniger Ressourcen als damals befürchtet und die Technologie verbesserte sich. Nichtsdestotrotz braucht es für eine nachhaltige Entwicklung das weitere Engagement und die Zusammenarbeit von allen – Unternehmen, Politik, Wissenschaft und jedem Einzelnen. Wir müssen unsere Anstrengungen weiter intensivieren. Dabei bieten die technologischen Entwicklungen und insbesondere die Digitalisierung neue Möglichkeiten, schonender mit Ressourcen umzugehen. ABB wird auch weiterhin innovative Produkte auf den Markt bringen, von denen vielleicht gerade heute Nachmittag eines erfunden wird. In der Schweiz steht eines von sieben ABB-Konzernforschungszentren.

Was müsste die Politik machen?

Die Politik kann die nachhaltige Entwicklung fördern, indem sie die richtigen Rahmenbedingungen definiert. So haben ja etwa die Vereinten Nationen, Europa und auch die Schweiz Klima- und Energieziele gesetzt.

 

Interview: Hansjörg Schmid

Mittwoch, 22. Aug 2018

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