JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert. Ohne JavaScript funktioniert die Website nicht korrekt.
Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Arbeitstypen

Wie tickst du bei der Arbeit?

Weisst du, was du für ein Arbeitstyp bist? Ist die bekannt, wie deine Chefin und deine Teammitglieder im Arbeitsalltag funktionieren? Nicht so genau? Dann lies diesen Beitrag! Er hilft dir, deine Stärken besser auszuspielen und besser mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten.

Bei der Projektsitzung sind sich wieder einmal alle uneinig. Abteilungsleiterin Sandra möchte voranmachen und gibt unmissverständlich das Ziel vor, die innovative neue App sei am Mittwoch nächster Woche zu lancieren. Für Programmierer Benjamin sind noch viel zu viele Details ungeklärt, er möchte keinen Absturz riskieren. Valérie, für die grafische Umsetzung verantwortlich, hat die versprochene Visualisierung noch immer nicht erstellt, bringt aber begeistert drei neue Ideen ein. Otto hat für jedes Anliegen Verständnis und sagt zum eigenen Projektstand nur so viel, dass noch Angaben fehlten, um die Dokumentation fertigstellen zu können. Du bist Projektleiter*in und raufst dir die Haare.

Deine Herausforderung ist, dass du es in diesem Projekt mit ganz unterschiedlichen Menschentypen zu tun hast, die ebenso unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Wie zum Teufel bringst du alles auf einen Nenner und das Projekt bis nächsten Mittwoch zum erfolgreichen Abschluss?

Hilfreich für dich ist in einer solchen Situation, die übrigens im Arbeitsleben völlig normal und alltäglich ist, zwei Dinge zu wissen: wie du selbst und wie deine Teammitglieder ticken. Weisst du dies, dann kannst du deine eigenen Stärken ausspielen, die Stärken deiner Teammitglieder nutzen und die Hindernisse aus dem Weg räumen.

Unterschiedlichste Systematiken

Versuchen wir, deine Teammitglieder zu typologisieren. Abteilungsleiterin Sandra ist eine Macherin. Sie will, dass das Projekt effizient umgesetzt wird. Für Benjamin muss jedes Detail bekannt und berücksichtigt sein und alles perfekt durchdacht, damit die App am Ende richtig läuft. Valérie möchte, dass man dem neuen Produkt die kreative Leistung ansieht und dass es die potenziellen Nutzer*innen begeistert. Otto ist der stille, stete Schaffer, der es mit niemandem verscherzen will. Und was bist du?

Googelt man im Internet nach Arbeitstypen, dann stösst man auf unterschiedlichste Systematiken. Nicht alle sind gleich ernst gemeint und brauchbar. Ist zum Beispiel von Typen wie «Sonnenschein», «Dr. Oberschlau» oder «der Verpeilte» die Rede, dann sind dies stark klischierte Zuordnungen, die mehr schaden als nützen, wenn man seine Arbeitskolleg*innen danach einteilt.

Ernstere Ansätze gehen bis in die Zeit der alten Griechen zurück. Deren Temperamentenlehre hatte bis in die Neuzeit Bestand und wurde laufend weiterentwickelt, zuletzt von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Sie unterscheidet die Temperamente Sanguiniker (Element Luft), Choleriker (Feuer), Melancholiker (Erde) und Phlegmatiker (Wasser). In der modernen Arbeitswelt kommen natürlich modernisierte Modelle zur Anwendung.

Von der Chaotin bis zum Analytiker

Häufig im Internet zu finden sind Typologien, die sich von einzelnen Charaktereigenschaften von Menschen ableiten lassen – oft verbunden mit einem Selbsttest (z.B. hier oder hier). Daraus ergeben sich Arbeitstypen wie Organisationstalent, Chaotin, Anpackerin, Skeptiker, Perfektionistin, Trödler, Sensibler, Unsichere, Hochstapler, Wehleidige, Planer, Macherin, Minimalistin. Der Nutzen solcher Zuordnungen ist beschränkt, da auch hier Klischees hineinspielen, teilweise negativ behaftete Begriffe verwendet werden und der Mensch auf eine einzige dominante Charaktereigenschaft reduziert wird.

Zielführender ist eine Typologisierung nach Arbeitsstilen, wie sie zum Beispiel das Business Magazin förderland macht. Die Typen Spezialist*in, Zielorientierte*r, Pragmatiker*in, Teamplayer, Individualist*in, Analytiker*in, Anführer*in und Koordinator*in sind auf Anhieb verständlich. Es leuchtet sofort ein, dass die Spezialistin auf ihrem Fachgebiet viel einbringen kann, auf anderen Gebieten hingegen nicht. Oder dass der Koordinator diszipliniert, kommunikativ und verlässlich ist, aber nicht kreativ. Der Individualist sprüht vor Ideen, zeichnet sich aber nicht durch zielorientiertes Arbeiten aus. Die Teamplayerin ist anpassungsfähig und kann gut vermitteln, möchte wichtige Entscheide aber nicht unbedingt selbst treffen.

Erkennst du deine Teamkolleg*innen in dieser Systematik? Sandra ist sicher eine Zielorientierte und auch Anführerin, Benjamin ein Analytiker, Valérie eine Individualistin und Otto ein Teamplayer. Du selbst würdest dich in diesem Projekt gut als Koordinator*in machen.

Komplexere Modelle erfassen Menschen in ihrer Gesamtheit

Geht es in Betrieben darum, wichtige Funktionen zu besetzen, dann kommen noch ausgefeiltere Modelle und entsprechende Persönlichkeitstests zum Einsatz. Oft werden sogar mehrtägige Assessments gemacht.

Softfactors ist eine Cloud-basierte Bewerbungslösung, die nicht nur Lebensläufe und die Berufskompetenzen (also die «hard factors») erfasst, sondern die persönlichen Fähigkeiten, die weichen Faktoren, in den Mittelpunkt stellt. Früher in den USA eingesetzt und heute noch in Australien verbreitet ist das Humm-Wadsworth-Modell. Es kategorisiert den Menschen nicht in eine einzige Persönlichkeit, sondern weist ihm modular sieben verschiedene Persönlichkeitstypen in verschiedener Ausprägung zu. Teilweise in Gebrauch ist noch der Myers-Briggs-Typenindikator, der auf der Typologie des Psychiater C.G. Jung basiert. Er wird jedoch heftig als unzuverlässig kritisiert.

Eine in unseren Breitegraden bei der Personalauswahl häufig verwendete Typologie ist das DISG-Modell. Die Buchstaben stehen für Dominant = extrovertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten, Initiativ = extrovertiertes und menschenorientiertes Verhalten, Stetig = introvertiertes und menschenorientiertes Verhalten und Gewissenhaft = introvertiertes und aufgabenorientiertes Verhalten.

Rote, Gelbe, Grüne und Blaue Typen

 Den vier Grundtypen werden in der Anwendung des Systems meistens Farben zugeschrieben, rot für die Dominanten, gelb für die Initiativen, grün für die Stetigen und blau für die Gewissenhaften. Zudem werden ihnen dieselben Elemente zugeteilt wie dem griechischen Temperamentemodell: Zu Rot das Feuer, zu Gelb die Luft, zu Grün das Wasser und zu Blau die Erde.

Aus diesen Zuschreibungen ergeben sich die Eigenschaften der jeweiligen Typen:

  • Menschen mit dominantem Verhaltensstil sind entschlossen, willensstark, bestimmend, fordernd, ergebnisorientiert, wettbewerbsorientiert, karriereorientiert, aber auch aggressiv und ruhelos.
  • Initiative Menschen sind beziehungsorientiert, voller Tatendrang, spontan, gesellig, offen, optimistisch, freundlich und gewinnend. Sie wissen zu begeistern, zu inspirieren und zu unterhalten. Mit der Disziplin und den Details haben sie es aber nicht so und Kontrolle mögen sie nicht.
  • Stetige Menschen zeichnen sich aus durch Treue, Loyalität, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit. Sie sind bescheiden, geduldig, pragmatisch, zuverlässig, rücksichtsvoll, mitfühlend und verbindlich. Grosse Veränderungen scheuen sie und sich selbst zu verkaufen, liegt ihnen nicht.
  • Den gewissenhaften Menschen sind Logik, Systematik, Genauigkeit, Ordnung und die Details wichtig. Sie pflegen hohe Standards und sind sehr analytisch, gründlich, vorausplanend, sorgfältig und sachlich. Sich selbst und anderen gegenüber können sie kritisch sein.

Nach dem DISG-Modell ist, wie im Humm-Wadsworth-Modell, in jeder Pesönlichkeitsstruktur jede Verhaltenstendenz aus den vier Bereichen vorhanden – allerdings in unterschiedlicher Intensität respektive Ausprägung. Man kann normalerweise davon ausgehen, dass eine der Verhaltensweisen vorherrscht, eine weitere stark ausgeprägt ist, eine dritte mittelstark und die vierte schwach. Die Kombinationen dominant und stetig sowie initiativ und gewissenhaft sind im Grunde ausschliessend.

Aus den ganz individuellen Ausprägungen ergibt sich ein differenziertes Bild eines Menschentyps.

Ein Aufwand, der sich lohnt

Um zu differenzierten Ergebnissen zu kommen, die den Charakteren der Menschen gerecht werden, braucht es komplexe Typologien wie das DISG-Modell. Einige Fragen im Internet zu beantworten, liefert keine brauchbaren Resultate. Wichtig ist auch, keine Klischees zu bemühen und nicht zu werten. Jede Eigenschaft eines Menschen kann sich nämlich positiv oder negativ ausdrücken.

Kommen wir zurück zu deinem Team. Nach dem DISG-Modell ist Abteilungsleiterin Sandra unschwer als dominante rote Person zu erkennen – nicht umsonst ist sie Chefin. Benjamin ist der blaue Gewissenhafte – als Programmierer muss er dies sein. Valérie ist als initiative, kreative Person eine gute Besetzung als Grafikerin. Otto schliesslich ist ein stetiger grüner Typ, der die Dokumentation mit Sicherheit in bester Qualität abliefern wird.

Bei dieser groben Typologisierung haben wir nur die hauptsächliche Ausprägung deiner Teamkolleg*innen berücksichtigt. Selbstverständlich und haben sie eine zweite, dritte und vierte Ausprägung. Sandra ist vielleicht auch analytisch veranlagt und Otto initiativ, wenn man ihn aus der Reserve lockt.

Weisst du nach der Lektüre dieses Artikels, was du genau bist? Wenn du dir ganz sicher sein willst, mache diesen Test. Oder noch besser: mach ein professionelles Assessment – Anbieter findest du im Internet. Der Aufwand lohnt sich!

Hansjörg Schmid

Donnerstag, 28. Apr 2022

Zurück zur Übersicht

Teilen: