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Virtuelle Realität als Instrument zur Schulung von Arbeitnehmenden

Morgen arbeitest du nicht mehr nur mit deinen Arbeitskollegen zusammen, sondern auch mit deren Avataren im Metaversum ihres Unternehmens (siehe dazu den Artikel über Metaversen). Diese Entwicklung könnte wichtiger sein, als manche denken. Die virtuelle Realität ist drauf und dran, die Arbeitswelt vollkommen zu revolutionieren. Zusammen mit Videospielen kann sie zu einem zentralen Instrument in der Ausbildung von Arbeitnehmenden werden.

Der im Energiesektor tätige französische Konzern EDF setzt seit einigen Jahren Virtual Reality in der Ausbildung seiner Mitarbeitenden ein. Das Unternehmen hat unter anderem das Virtual-Reality-Spiel «Energy Quest» entwickelt, in dem die Energieberater des Unternehmens in den Alltag der Kunden eintauchen und ihre Beratung auf die jeweilige Situation zuschneiden können. Das Unternehmen nutzt die virtuelle Realität auch, um Einsatzbedingungen im Nuklearsektor nachzustellen. EDF kann so seine Wartungsfachleute unter realitätsnahen Bedingungen ausbilden, ohne sie jedoch einem Risiko auszusetzen. Die Wartungsfachleute können so nützliche Fähigkeiten für einen tatsächlichen Einsatz entwickeln.

Kompetenzen mittels virtueller Realität entwickeln

Die gleichen Bedingungen wie in der Wirklichkeit bieten: Dies ist einer der unbestreitbaren Vorteile der virtuellen Realität in der Ausbildung. Die Mitarbeitenden entwickeln und trainieren Fähigkeiten, die ganz spezifisch auf ihre Funktion und ihr Umfeld zugeschnitten sind. Mithilfe der virtuellen Realität können auch Krisen- oder komplexe Situationen simuliert werden. So können die Mitarbeitenden auf sichere Weise Werkzeuge und Wissen entwickeln, um dann auf tatsächlich eintretende Situationen richtig reagieren zu können.

Thales ist ein weiteres Unternehmen, das Virtual Reality als Schulungsinstrument nutzt. In Zusammenarbeit mit Artefacto, einem Experten für virtuelle Realität, hat der französische Konzern ein Schulungsinstrument für seine Techniker*innen entwickelt. Ein interaktives und immersives Tutorial versetzt sie auf ein Schiff, wo sie Wartungsarbeiten an einem Schaltschrank durchführen müssen.

Und warum Virtual Reality nicht auch in der Ausbildung junger Menschen einsetzen? Sie kann auch ein Mittel sein, um Jugendlichen Berufe näher zu bringen. Die virtuelle Realität hätte hier nicht nur eine Orientierungsfunktion, sondern könnte auch dazu dienen, Auszubildende für spezifische Aufgaben zu schulen, die während der Ausbildung im Betrieb (noch) nicht ausgeführt werden können.

Auch Videospiele sind ein Lernmittel

Videogames spielen eine immer wichtigere Rolle in der Ausbildung von Arbeitnehmenden. Unternehmen setzen Videospiele zum Beispiel ein, um bestimmte soziale Kompetenzen ihrer Angestellten zu fördern. Ein Artikel der Zeitung Le Temps über die «Gamifizierung» der Arbeitswelt (in französischer Sprache), der bereits 2014 erschien, führt als Beispiel das Unternehmens Subway an. Dieses entwickelte ein Spiel, um neuen Angestellten beizubringen, wie man Sandwiches macht.

Videospiele können auch vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt eingesetzt werden. Der Autor und Geschäftsmann Gabe Zichermann, der diverse Bücher über Gamification geschrieben hat (so «The Gamification Revolution: How Leaders Leverage Game Mechanics to Crush the Competition»), fordert den Einsatz von Videospielen in der Bildung. Dies insbesondere für Kinder und Jugendliche, die Schwierigkeiten mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden haben. Ziel ist es auch hier, spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten zu entwickeln.

Eine Entwicklung, die man im Auge behalten muss

In den nächsten Jahren wird der Stellenwert von Virtual Reality und Videospielen im Bildungsbereich mit Sicherheit noch höher. Ihr Einsatz hat unbestreitbare Vorteile wie die Entwicklung von Kompetenzen, aber man darf auch ihre Nachteile nicht vernachlässigen. Es wurde zur Genüge aufgezeigt, dass die Videospielsucht in der heutigen Gesellschaft ein Problem ist. Wenn Videospiele noch mehr Raum einnehmen, könnte die Zahl der Abhängigen steigen.

Darüber hinaus ist in gewissen Fällen ein Mindestmass an digitalen Grundkenntnissen erforderlich, um die neuen Lernmittel zu nutzen. Was geschieht mit Menschen, die diese nicht oder nur unzureichend besitzen? Und mit jenen, die bereits heute Schwierigkeiten haben, sich in die Arbeitswelt zu integrieren? Für die Angestellten Schweiz darf diese Entwicklung nicht zu einer noch grösseren Kluft zwischen jenen mit und jenen ohne digitale Grundkenntnisse führen. Alle Menschen müssen die Chancen haben, mit der Entwicklung Schritt zu halten.

Virginie Jaquet

Montag, 07. Mär 2022

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