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Europa Forum zum Thema „Herausforderung Energie“

Viele Wege führen zur Energiewende

Die Welt braucht eine Energiewende – daran zweifelte am Europa Forum vom Herbst 2015 niemand. Wie sie erreicht werden kann und soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Viele Wege führen nach Rom – und noch mehr Wege führen zur Energiewende. Diesen Eindruck gewann, wer das Europa Forum vom 16. November 2015 zum Thema „Herausforderung Energie“ im KKL in Luzern teilnahm. Dort traten gegen 30 Experten auf dem Gebiet der Energie auf – und alle hatten ein Rezept, wie der Umstieg auf eine umweltfreundlichere und nachhaltigere Nutzung von Energie gelingen könnte.

Ein Preis für CO2 und weniger Subventionen

„Energiepolitik ist heute Klimapolitik und Wirtschaftspolitik“, stellte Bundesrätin Doris Leuthard in ihrem Keynote-Referat klar. Sie warnte: „Was wir mit der Energiestrategie in dieser Generation nicht lösen können führt zu schmelzenden Gletschern, einer Veränderung des Weltklimas und damit auch zu einer Erhöhung des Meeresspiegels.“ Dass wir eine Energiewende und ein Klimaziel brauchen, daran zweifelte am Europa Forum keiner der Experten, auch nicht der Präsident der Erdöl-Vereinigung. In zwei wichtigen Punkten herrschte weitgehend Konsens:

  • Das ausgestossene CO2 muss einen eindeutigen Preis haben. Nur so können Investitionen in neue Technologien langfristig geplant werden.
  • Von den Subventionen für grüne Technologie sollte Abstand genommen werden zugunsten von Lenkungsmassnahmen. Genau dies sieht der Bundesrat in der zweiten Etappe der Energiestrategie 2050 vor (siehe dazu den Beitrag „Vom Fördern zum Lenken“).

Starke Politik

Weniger einig war man sich darin, mit welchen technischen Mitteln und mit welchen Formen von Energie man die Energiewende schaffen kann. Jede Expertin und jeder Experte konnte glaubhaft aufzeigen, dass ihr/sein Fachbereich wesentlich zur Energiewende beitragen kann. Letztlich kommt es wohl nicht so stark darauf an, ob man etwas mehr oder etwas weniger auf Solarenergie, Biogas, Wasserstoff, Windkraft, Gebäudeisolationen oder vorübergehend sogar auf Erdgas als Ersatz für Erdöl setzt. Zur Wende tragen sowieso alle Massnahmen bei – und sie müssen rasch umgesetzt werden.

Zu diskutieren gab auch, wie viel Politik es zur Energiewende braucht. Die Wirtschaftsvertreter forderten erwartungsgemäss möglichst wenig Regulierung und politische Steuerung. Für den ETH-Professor Andreas Fischlin hingegen ist es bezüglich des Klimas bereits drei nach zwölf, weshalb er alle Massnahmen befürwortet, die einen Wandel herbeibringen. Der NZZ-Redaktor Davide Scruzzi forderte in seinem Schlussreferat sogar „eine starke Politik“. Man müsse in der Energiewirtschaft wegkommen von der Vertretung von Partikularinteressen.

Schreite die Schweiz voran!

Klar ist: Die Schweiz kann die Energiewende nicht im Alleingang stemmen. „Das internationale Umfeld können wir Schweizer nur marginal beeinflussen“, sagte Bundesrätin Leuthard. Sie forderte ein weltweites, gemeinsames Vorgehen, „damit wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen, in der das Leben noch lebenswert ist“.

Dass unser kleines Land nur einen kleinen Beitrag leisten kann, soll uns nicht davon abhalten, ihn zu leisten. Warum gehen wir nicht sogar noch einen Schritt weiter ? Die Schweiz war in punkto Umweltschutz einmal führend. Bringen wir doch den Mut auf und schreiten wir mit guten Taten voran! Das mag kurzfristig mit ökonomischen Nachteilen verbunden sein. Längerfristig bieten sich aber grosse Chancen – gerade auch, was die Arbeitsplätze betrifft. Die Umwelttechnologie dürfte nämlich ein Potenzial von mehreren zehntausend neuen Jobs haben.

 

Hansjörg Schmid

Mittwoch, 18. Nov 2015

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Das Energie-Trilemma

Christoph W. Frei, Generalsekretär des Weltenergierates, und Oliver Geden, Leiter der Forschungsgruppe EU/Europa bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, erklärten das so genannte Energie-Trilemma. Das ist ein Dreieck bestehend aus den Punkten Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Dreieck sollte möglichst regelmässig sein – d.h., alle Punkte sollten in etwa das gleiche Gewicht haben –, sonst ist die Energiewirtschaft eines Landes aus dem Gleichgewicht. Trotzdem setzt die EU gemäss Oliver Geden Prioritäten, was aber nicht nachteilig sei. Zuoberst steht die Nachhaltigkeit, gefolgt von der Versorgungssicherheit. Die Wettbewerbsfähigkeit steht an dritter Stelle.