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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Unternehmen dazu bewegen, Lernende auszubilden

Rund 80 Prozent der Betriebe bilden in der Schweiz keine Lernenden aus. Häufig wird dies mit mangelnder Zeit begründet. Jetzt sollen Massnahmen die Unternehmen dazu ermutigen, Lernende zu beschäftigen.

Kürzlich weilte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann auf Staatsbesuch in Mexiko. Dort pries er unser duales Berufsbildungssystem an. Das tat er nicht das erste Mal. Das Schweizer Berufsbildungssystem stösst in zahlreichen Ländern auf Interesse. Man müsste also annehmen, dass ein hoher Anteil unserer Unternehmen Lernende ausbildet. Es sind aber lediglich 18 Prozent. Warum? Wegen der Kosten?

Zu geringer Nutzen

Studien haben gezeigt, dass sich die Lehrlingsausbildung im Schnitt für die Betriebe rechnet. Allerdings sind nicht alle Lehren rentabel, erklärt Jürg Zellweger, Ressortleiter Bildung beim Arbeitgeberverband: „Denken Sie an den Polymechaniker, Informatiker Elektroniker oder Automatiker, die den Unternehmen Nettokosten während der Ausbildung verursachen.“ Eine Analyse von 2003 brachte noch etwas anderes zu Tage: Die Unternehmen haben zu wenig Zeit. Jürg Zellweger bestätigt: „Unternehmen, welche nicht ausbilden, geben oft an, keine Zeit für die Lernenden zu haben.“ Er weist auch darauf hin, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle spielt: „Wenn man die Leute nicht findet, so bildet man eher selber aus.“

Die Autoren der Analyse von 2003 (Prof. Dr. Stefan C. Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, Jürg Schweri, Leiter Forschungsschwerpunkt "Steuerung der Berufsbildung" am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB und Samuel Mühlemann, Professor für Wirtschaftspädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität, München) präzisieren, dass es nicht einfach um die fehlende Zeit gehe, sondern „um den zu geringen Nutzen im Verhältnis zu eingesetzten Zeit“. Um Betriebe dazu zu bewegen, Lernende auszubilden, muss ihnen der Nutzen aufgezeigt werden, den sie daraus ziehen.

Anreize setzen

Die Stadt Genf hat diesem Herbst zum Beispiel einen mit 1,5 Millionen Franken dotierten Fonds geschaffen, der Betriebe unterstützt, die Lernende ausbilden. Er ist nicht der erste. Alle Kantone der lateinischen Schweiz sowie Zürich verfügen über einen kantonalen Fonds für die Berufsbildung. Für Jürg Zellweger leisten Berufsbildungsfonds vor allem Beiträge zur Finanzierung von Berufsbildungsaktivitäten, was in bestimmten Bereichen sinnvoll sei. Eine Auswirkung auf die Ausbildungsaktivitäten der Unternehmen sieht er hingegen kaum. „Aus dieser Perspektive ist ein Ausbau nicht angesagt“, findet er. Für den Präsidenten der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK), Theo Ninck, setzen solche Fonds jedoch klar einen Anreiz.

Betrachtet man den letzten Lehrstellenbarometer, so scheint, dass die Betriebe genügend motiviert sind, Lernende auszubilden. Etwa 10 000 Lehrstellen blieben unbesetzt. Man muss dies allerdings differenziert betrachten. Die Situation präsentiert sich je nach Branche nämlich unterschiedlich. In der Holz- und der Fleischbranche zum Beispiel fehlen Lernende und Lehrstellen bleiben offen. Um eine KV-Lehre zu ergattern hingegen braucht man die Ellbogen. Diese Beispiele zeigen, dass sich das Angebot und die Nachfrage nicht zu 100 Prozent decken (siehe dazu den Beitrag „Angebot und Nachfrage besser zusammenbringen“).

Ausbilden oder anstellen?

Die Frage, die sich den Unternehmen grundsätzlich stellt, lautet: Soll ich die Spezialisten, die ich brauche, selber ausbilden oder auf dem Arbeitsmarkt suchen? Sie müssen die Kosten der beiden Varianten gegeneinander abwägen, und dies nicht nur aus kurzfristiger Sicht. Die Kalkulation hängt von Faktoren ab wie der Unternehmensgrösse, dem Spezialisierungsgrad und insbesondere davon, wie weit es gelingt, Ausgebildete im Betrieb zu halten. Diesbezüglich ist es wichtig, gute Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.

Freitag, 25. Nov 2016

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Position der Angestellten Schweiz

Die Angestellten Schweiz stehen hinter Fördermassnahmen der Lehrlingsausbildung. In seinem Positionspapier fordert der Verband, dass Betriebe, welche Lehrlinge ausbilden, von einer Steuerreduktion profitieren sollen. Dies erachtet er als sinnvoller als Sanktionsmassnahmen.

In der Sozialpartnerschaft…

…. wird die Berufsausbildung ebenfalls gefördert. Als Partner des GAV der MEM-Industrie tragen die Angestellten Schweiz zur Entwicklung und zum Betrieb des Bildungsinstituts sfb bei.