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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Altersarbeit

Senioren gegen den Fachkräftemangel

Über das Pensionierungsalter hinaus arbeiten: Für viele ältere Menschen ist das kein Problem. Die Bedingungen müssen aber stimmen.

Seniorinnen und Senioren an die Arbeit! Seniorinnen und Senioren an die Arbeit!

2015 werden in der Schweiz erstmals mehr Menschen ihren 65. als ihren 20. Geburtstag feiern. Avenir Suisse nahm diese demografische Tatsache zum Anlass für ein Papier über die Altersarbeit. Darin zeigt der Thinktank auf, wie der Fachkräftemangel wirksam bekämpft werden soll: Erwerbstätige sollen über die Pensionierung hinaus arbeiten. „Gelänge es, jeden Neurentner nur schon zwei Monate länger im Arbeitsprozess zu halten, könnte im Nu ein Äquivaltent von 5000 Volzeitstellen besetzt werden“, schreibt der Verfasser Jérôme Cosandey. Würde jeder ältere Mitarbeiter mit einem 50-Prozent-Pensum ein Jahr länger arbeiten, erhöhte sich das Angebot sogar um 15 000 Stellen.

Wertvolle Know-how-Vermittler

Die Vorteile von älteren Angestellten für die Betriebe sind vielfältig. „Diese Mitarbeiter sind gut qualifiziert, kennen die betrieblichen Prozesse und sind im Unternehmen integriert“, steht im Avenir-Suisse-Standpunkt. Weiter wird darauf hingewiesen, dass wertvolles Produkt-, Prozess-, Lieferanten- und Kundenwissen erhalten bleibt. Nicht zuletzt würden ältere Kunden auch gerne durch erfahrene Mitarbeitende beraten.

Auch Christof Burkard, Leiter Rechtsdienst und Stellvertretender Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, sieht Potenzial in einer Flexibilisierung des Altersrücktritts. Aber er warnt: „Ich sehe ein gewisses Risiko, dass sich auf diesem Weg das ordentliche Pensionsalter für alle indirekt nach oben bewegt.“ Länger arbeiten sei bei weitem nicht für alle Berufe und Personen in gleichem Masse möglich.

Mitmachen, wenn es stimmt

Sehen es die ältere Erwerbstätigen selber auch als Vorteil, länger zu arbeiten? Die folgenden Zahlen lassen es vermuten: Die Erwerbsquote (Verhältnis der Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu einer Referenzbevölkerungsgruppe) älterer Mitarbeitender in der Schweiz ist innerhalb der OECD-Länder die fünfthöchste. 61 Prozent der Unternehmen in der Schweiz bieten eine Beschäftigungsmöglichkeit für Arbeitnehmende über dem Pensionsalter. 33 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten über das Rentenalter hinaus. 57 Prozent der über 60-Jährigen würden es gemäss Avenir Suisse gerne tun, wenn – und nun kommt der springende Punkt – die Bedingungen stimmen. Als Bedingungen führt Avenir Suisse als Beispiele mehr Zeitsouveränität und weniger Produktionsdruck auf. Ältere Mitarbeiter sollten so eingesetzt werden, dass ihre Erfahrung am besten zu Geltung komme. Eine Teilzeiteinstellung könne helfen, den Übergang in die Pension sanfter zu gestalten.

Für Christof Burkard muss für das Arbeiten nach dem Pensionsalter eine wichtige Bedingung erfüllt sein: die Freiwilligkeit. „Die Altersvorsorge der 65-Jährigen muss so hoch sein, dass sie nicht gezwungen sind, noch arbeiten zu müssen.“ Dies sei in den USA häufig der Fall. Weiterhin brauche es für Berufe mit starker körperlicher Beanspruchung auch die Möglichkeit einer frühzeitigen flexiblen Pensionierung. 

Höheres Rentenalter?

Für Jérôme Cosandey kann die verstärkte Integration älterer Erwerbstätiger nur funktionieren, wenn diese für den Arbeitgeber nicht zu „teuer“ sind. Er spricht sich darum für sinkende Löhne im Alter, keine zusätzlichen Ferienwochen und für tiefe Sozialbeiträge aus. „De facto gibt es die automatische Lohnerhöhung in der Privatwirtschaft schon seit einiger Zeit nicht mehr“, stellt Christof Burkard fest. Er geht davon aus, dass in vielen Fällen nicht die älteren Mitarbeitenden die höchsten Löhne beziehen. Burkard spricht sich für eine Abflachung der Pensionskassenprämien aus, wie sie die Berset-Reform der Altersvorsorge anstrebe. Bezüglich Ferien ist er mit Jérôme Cosandey nicht einverstanden: „Im Alter sind Erholungsphasen wesentlich, darum plädiere ich für einen hohen Ferienanspruch.“

Der Staat sollte „Rahmenbedingungen für einen flexiblen Übertritt in Rente und Anreize für einen längeren Verbleib im Arbeitsprozess schaffen“, schreibt Avenir Suisse. Dem ist nicht zu widersprechen, eine Flexibilisierung vermag bestimmt manche Arbeitnehmende zu motivieren, ihre aktive Zeit zu verlängern. Avenir Suisse geht aber noch weiter. Da in der Schweiz „beinahe Vollbeschäftigung“ herrsche und die Schweizerinnen und Schweizer die weltweit höchste Lebenserwartung geniessen würden, sei eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht nur legitim, sie dränge sich sogar auf. Der Leiter Rechtsdienst findet das einen „sehr heiklen Weg“. Er bevorzugt eine freiwillige Lösung.

Um ältere Arbeitskräfte zur Weiterarbeit zu motivieren schlägt Burkard vor, die Arbeitsplätze den altersspezifischen Erfordernissen anzupassen. Er denkt dabei nicht nur an Altersteilzeit, Weiterbildungen für Ältere und hohe Zeitautonomie: „Insbesondere muss eine Wertschätzungskultur Einkehr halten“, fordert er.

 

Hansjörg Schmid

Donnerstag, 23. Jul 2015

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