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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Mehr Geld ist kein Bekenntnis zur Loyalität

Arbeitgeber wollen möglichst loyale Angestellte und umgekehrt. Aber was heisst Loyalität genau? Stefan Studer, der Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, geht dieser Frage auf den Grund.

Geld ist kein zentraler Faktor für loyales Verhalten an der Arbeit. Dies ist für mich die vielleicht wichtigste Erkenntnis unserer letzten Transfer-Tagung und auch eine Bestätigung für die Politik der Angestellten Schweiz. Es ist aber auch eine Aufforderung an die Arbeitgeber: Wollen sie loyale Arbeitnehmer, müssen sie sich gegenüber ihnen auch loyal verhalten. Und weil sich loyal verhalten eben nicht bedeutet, einfach höhere Löhne oder Boni zu bezahlen, müssen Arbeitgeber anders investieren – z.B. in flexiblere Arbeitsmodelle, das Arbeitsklima und vor allem in Aus- und Weiterbildung. Anders ausgedrückt: Loyalität muss Bestandteil einer Firmenkultur der Wertschätzung und des Respekts sein – für die geleistete Arbeit und die Menschen, die sie täglich verrichten.

Die Tagung hat auch gezeigt, dass die Definition von Loyalität gar nicht so einfach ist. Ist sie tatsächlich eine „Charaktereigenschaft“, wie ein Teilnehmer sagte? In einer repräsentativen Befragung zum Thema Loyalität am Arbeitsplatz, welche Demoscope im Auftrag der Angestellten Schweiz durchgeführt hat, bezeichnen sich 97 Prozent der Befragten als „loyal oder sehr loyal“ (siehe Kasten). Nur 3 Prozent sind es „eher oder gar nicht“. Dieses Ergebnis steht in krassem Widerspruch zu den persönlichen Erfahrungen, die jeder von uns im Privat- oder Berufsleben schon gemacht hat.

Der offenkundige Widerspruch rührt daher, dass Loyalität viel zu stark als moralischer Wert wahrgenommen und als absolut verstanden wird. Bedingt Loyalität in einer Beziehung aber tatsächlich, dass ich mit allem einig gehe, was meine Partnerin oder Partner sagt und macht? Wohl kaum. Wenn ich mich gegenüber den Angestellten Schweiz als „loyalen Geschäftsführer“ verstehe, heisst das, dass ich mit dem Vorstand, den Zielen des Verbandes und den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle in jedem Punkt zu hundert Prozent loyal bin? Wohl kaum.

Wo sind die Grenzen der Loyalität?

Wie weit kann, darf oder soll Loyalität also gehen? Wie viel Loyalität darf verlangt werden? Ein Arbeitspsychologe sagte auf eine entsprechende Frage, er sei „keine loyale Person“, weil Loyalität nicht an eine Person gebunden werde könne, „sondern aus einseitiger Warte eine Haltung in einer Beziehung beschreibt“. Wer von einer loyalen Person rede, könne höchstens meinen, dieser Person sei Loyalität ein hoher Wert, den sie in ihren Beziehungen sehr schätze. Wer einfach loyal ist, zu wem oder was auch immer – so seine provozierende Aussage – „der ist entweder konturlos oder unterwürfig“. Was definitiv nicht geht, so sein Fazit, „ist Loyalität zu fordern“, denn in dieser Hinsicht sei Loyalität wie Liebe.

Auf Wikipedia wird Loyalität übrigens in Abgrenzung zu Treue, Unterwerfung oder Gehorsam definiert. Sie bedeutet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Ziels die Werte des Anderen zu teilen und zu vertreten, bezeihungsweise diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt, solange dies der Bewahrung des gemeinsam vertretenen höheren Zieles dient. Deshalb sprechen Manger lieber von Commitment statt von Loyalität. Loyalität wird in der Wirtschaft oft mit „Abhängigkeit“ und „Obrigkeitsdenken“ verwechselt. Als Synonyme nennt Wikipedia stattdessen Anstand, Fairness, Redlichkeit und Zuverlässigkeit.

Loyalität kann nie absolut sein

Jens Alder, der frühere Swisscom-CEO und heutige Verwaltungsratspräsident der Krankenkasse Sanitas, schrieb zum Thema: „Ich ringe damit, wie viel Rationalität und wie viel Emotionalität im Thema Loyalität in Unternehmen drin ist.“ Als „kopflastiger Mensch“ neige er aber dazu, Loyalität „im Wesentlichen als ein rationales Thema“ zu sehen. Dementsprechend sei es von den Chefs als solches zu behandeln. Aus seiner Sicht haben nämlich Mitarbeiter mit den Unternehmen einen „rationalen Deal“, da sie ab und zu auch die Stelle wechseln und sich damit gegenüber ihrem alten Arbeitgeber illoyal verhalten...

Mir hat die Tagung aufgezeigt, dass Loyalität nie absolut sein kann, sondern Teil einer Vereinbarung, Abmachung oder eines Deals ist. Und vor allem: Sie darf nicht als „emotionale Keule“ eingesetzt und damit missverstanden werden.

 

Stefan Studer, Geschäftsführer der Angestellten Schweiz

Donnerstag, 20. Okt 2016

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«Loyalität darf nicht als „emotionale Keule“ eingesetzt und damit missverstanden werden.»
Stefan Studer, Geschäftsführer Angestellte Schweiz

Resultate der Umfrage zum Thema „Loyalität am Arbeitsplatz“

Schweizerinnen und Schweizer sind loyale Arbeitnehmende – sie schätzen aber die Loyalität der Arbeitgeber etwas tiefer ein. Dies ist die Haupterkenntnis aus einer repräsentativen Befragung, welche Demoscope im Auftrag der Angestellten Schweiz im Sommer 2016 durchgeführt hat. Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage.

So berichteten die Medien über die Umfrage:

> Tages Anzeiger

> 20 Minuten

> Aargauer Zeitung

Transfer-Tagung zum Thema Change Management

Der Wandel ist in der heutigen Arbeitswelt Alltag. Unternehmen werden stetig umstrukturiert, fusioniert oder neu aufgestellt. Die heutige Unternehmenswelt verlangt von allen ständige Bereitschaft zu Veränderungen. Dies verlangt Angestellten oft das Äusserste ab.

Die Angestellten Schweiz führen zusammen mit der Swissmem Academy eine Transfer-Tagung durch, die eine 360-Grad-Sicht auf das Phänomen „Change“ ermöglichen wird. Change wird aus Sicht der Angestellten, der Geschäftsleitungen, der Shareholder und der Stakeholder beleuchtet.

An der Transfer-Tagung können Sie Ihre Erfahrungen mit Change einbringen und sich über das Thema austauschen. Sie werden mit realen Beispielen arbeiten und eine Checkliste erarbeiten.

Wann: 10. November 2016, 14.00 – 17.30 Uhr

Wo: Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Die Teilnahme kostenlos.