JavaScript ist in Ihrem Browser deaktiviert. Ohne JavaScript funktioniert die Website nicht korrekt.
Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Lernende dort abholen, wo sie sich bewegen

Die Login Berufsbildung AG bildet über 2000 Lernende in Berufen des öffentlichen Verkehrs aus. Dabei nutzt sie modernste digitale Mittel. Wie Login Lernende für sich gewinnt und was diese von Login erwarten, erklären Janine Abt, Leiterin Marketingkommunikation, und Giovanna Severgnini, Leiterin Selektion, im Interview.

Wie jedes Unternehmen möchten Sie, dass sich talentierte Menschen bei Ihnen für eine Berufsbildung bewerben. Was tun Sie, damit Sie die richtigen Talente finden?

Janine Abt (JA): Wir versuchen unsere Hauptzielgruppe, die Schülerinnen und Schüler, über verschiedene Kanäle zu erreichen. Direkten Kontakt schaffen wir bei Schulbesuchen oder an Berufsmessen. Offline setzen wir Plakate oder Flyer ein. Daneben gibt es eine Reihe von Online-Kanälen, die wir nutzen. Zum Beispiel Youtube oder Snapchat, ein Social-Media-Kanal, der im Moment sehr angesagt ist bei jungen Leuten. Wir wollen die Zielgruppen dort abholen, wo sie sich bewegen.

Was haben Sie mit Snapchat für Erfahrungen gemacht?

JA: Wir kommen damit bei den Schülerinnen und Schülern gut an, sie finden es cool, dass wir dort aktiv sind. Es gibt erst wenige Firmen, die Snapchat benutzen. Von der Bewirtschaftung her ist es aufwändig, weil die Beiträge nur 24 Stunden verfügbar sind. Wir müssen ständig neue Inhalte generieren.

Über welche dieser Kanäle werden die Zielgruppen auf Sie aufmerksam?

JA: Das ist ganz unterschiedlich, der richtige Mix macht es aus. Wir stellen nicht fest, dass ein Kanal wichtiger als ein anderer wäre.

Wie sprechen Sie Ihre Zielgruppen an?

JA: Wir sprechen die Jugendlichen in ihrer Sprache an, ohne uns aber anzubiedern. Wir wollen authentisch rüberkommen. Letztes Jahr arbeiteten wir mit einem Influencer („Beeinflusser“) zusammen, Rash Sakem (siehe Kasten).

Wie sind Sie dazugekommen?

JA: Social Media werden ja immer wichtiger. Ein grosser Teil der Schülerinnen und Schüler tummelt sich dort. Wir überlegten uns, wie wir auf den Social-Media-Kanälen Einblicke in unsere Berufe geben könnten. Wir kamen zum Schluss, dass wir jemanden brauchen, der das authentisch zeigen kann. So stiessen wir auf Rash. Er hat eine recht grosse Fangemeinde in der Altersgruppe, die wir ansprechen wollen. Er stellt in Videos unsere drei Berufswelten vor: Kunden und Büro, Technik und Informatik sowie Bau und Logistik. Rash schnupperte dazu in diesen Welten.

Wie reagierten die potenziellen Lernenden auf diese Videos?

JA: Wir hatten viele Likes und Kommentare. Die Jugendlichen fühlten sich offensichtlich angesprochen.

Wie bewerben sich die Auszubildenden heute auf eine Lehrstelle?

Giovanna Severgnini (GS): Bei den Praktikanten im kaufmännischen Bereich, die ein Jahr bei uns sind, sowie bei den Informatikern verlangen wir Online-Bewerbungen. Bei allen anderen Berufen kann man sich bewerben, wie man will. Das kann ebenfalls online sein, aber auch auf Papier oder per Mail. Eine Bewerbung ist ein wichtiger Schritt im Leben eines jungen Menschen, darum will man es besonders schön oder kreativ machen.

Haben Sie Beispiele für kreative Bewerbungen?

GS: Jemand bastelte einmal ein Züglein und schickte es mit der Bewerbung mit. Ein Interessent für die Lehre als Gebäudereiniger schrieb in seine Bewerbung, dass er für uns sein letztes Hemd gebe – dieses war dann auch dabei.

Haben Sie auch schon eine Video-Bewerbung erhalten?

GS: Wir bekamen erst einmal ein Video, diese Form hat sich noch nicht etabliert. Ich erwarte aber, dass sie kommen wird. Noch erhalten wir viele Bewerbungen auf Papier. Wir möchten aber die Online-Bewerbung fördern und junge Leute ermutigen, sich online zu bewerben..

Wie reagieren Sie auf besonders kreative Bewerbungen?

GS: Mich begeistern sie, weil ich spüre, dass sich jemand Zeit genommen hat und motiviert ist.

Was sind die Erwartungen der jungen Menschen an die Lehrstelle?

GS: Die Lehre ist der Einstieg in die Berufswelt. Die Lernenden wollen dafür die notwendige Unterstützung bekommen. Wichtig ist ihnen aber auch das soziale Umfeld, sie wollen aufgehoben sein und integriert sein. Die Arbeit muss nicht unbedingt super spannend sein, aber sie muss Sinn machen.

JA: Die Lernenden wollen als gleichberechtigte, vollwertige Teammitglieder behandelt werden und sie wollen ernst genommen werden.

Welche Werte sind ihnen wichtig?

GS: Neben dem Sozialen legen sie grossen Wert auf eine gute Work-Life-Balance.

Wie unterscheiden sich diesbezüglich die Generationen Y und Z von den früheren Generationen X und Babyboomer?

GS: In den älteren Generationen war das Leistungsdenken ausgeprägter. Die jüngeren Generationen sind eher sozial als hartnäckig.

JA: Für die jüngeren Generationen ist es auch wichtiger, dass sie Lust haben, etwas zu tun.

Eine deutsche Studie hat festgestellt, dass die Leistung bei jungen Menschen zwar einen grossen Stellenwert hat, dass sie gleichzeitig aber auch Angst haben, die Leistung nicht erbringen zu können. Können Sie das bestätigen?

JA: Die Generation hat sehr klare Vorstellungen, wo sie hinwill. Und sie will ihr Ziel möglichst rasch erreichen.

GS: Die Jungen erbringen ihre Leistung, das ist keine Diskussion. Aber sie sind nicht so verbissen wie die älteren Generationen. Die Angst, nicht zu genügen, nehme ich bei uns nicht wahr.

Wenn Sie eine Bewerbung erhalten, was sind für Sie heute die wichtigsten Kriterien?

GS: Wir beurteilen das Gesamtdossier. Je nach Beruf wird anders gewichtet. Entscheidend ist, dass sich der Bewerber für den Beruf von seinen Fähigkeiten her eignet.

Prüfen Sie die Dossiers noch von Hand oder machen Algorithmen eine Vorselektion?

GS: Jedes Dossier wird von Mitarbeitenden angeschaut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Maschine einen jungen Menschen, der direkt von der Schule kommt, beurteilen kann.

Was sind Ihre Erwartungen an die jungen Auszubildenden?

GS: Wir erwarten eine hohe Flexibilität. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs wird man an unterschiedlichsten Orten eingesetzt und die Arbeitszeiten sind unregelmässig. Weiter fordern wir Eigenverantwortung, Zuverlässigkeit und Begeisterung für die Welt des Verkehrs. Lernende sollen auch selbständig arbeiten können – wenn sie nicht mehr weiter wissen, sollen sie fragen. Der beste Beweis, dass dies funktioniert, sind die Junior Stations. Das sind Bahnhöfe, die von Lernenden geführt werden.

Bieten Sie auch Lehrstellen für Schulabgänger, die weniger gute Noten haben?

JA: Bei uns kann man ja verschiedene Berufe lernen. So gibt es auch zweijährige Lehren, die man mit dem Eidgenössischen Berufsattest abschliesst. Beispiele dafür sind Gleisbauer, Logistiker oder Gebäudereiniger.

GS: In jedem Berufsfeld gibt es Berufe, für die sich bessere oder schlechtere Schüler bewerben können. Unser Ziel ist nicht, die besten Bewerber zu gewinnen, sondern die geeignetsten. Es geht ja auch darum, dass sich die Menschen in der Lehre entwickeln.

Wie lernen heute die jungen Leute in der Lehre im Vergleich zu früher?

JA: Es gibt eine klare Verlagerung von offline zu online. Es stehen heute viel mehr elektronische Hilfsmittel zur Verfügung. Die Lernenden nutzen zum Beispiel Whatsapp oder Youtube.

Setzen Sie diese Mittel gezielt ein?

JA: Nicht wir, es sind die Lernenden selber, die sie heranziehen.

GS: Die Lernenden sind heute sehr schnell produktiv, nicht nur in den erwähnten Junior Stations. Die Gleisbauer beginnen rasch einmal damit, selber Gleise zu reparieren – unter strengster Beachtung der Sicherheitsvorschriften.

Wie weit setzen Sie E-Learning ein?

JA: Wir bauen im Moment entsprechende Plattformen auf.

Wo sehen Sie für Ihren Betrieb die Herausforderungen der Zukunft?

GS: Die Konkurrenz auf dem Bildungsmarkt ist gross. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Jugendlichen weiterhin abholen und für den dualen Bildungsweg gewinnen können.

 

Interview: Hansjörg Schmid

Montag, 17. Jul 2017

Zurück zur Übersicht

Teilen:

«Wir sprechen die Jugendlichen in ihrer Sprache an, ohne uns aber anzubiedern.»
Janine Abt, Leiterin Marketingkommunikation Login
«Unser Ziel ist nicht, die besten Bewerber zu gewinnen, sondern die geeignetsten.»
Giovanna Severgnini, Leiterin Selektion Login

Login Berufsbildung

Login bildet Lernende für Berufe im Bereich des öffentlichen Verkehrs aus. Diese sind angesiedelt bei Bahn- und Busbetrieben, aber auch bei Fluggesellschaften. Abgedeckt werden die Berufswelten „Kunden und Büro“, „Technik und Informatik“ und „Bau und Logistik“. Im letzten Jahr starteten 843 junge Nachwuchskräfte eine Ausbildung bei Login, 758 schlossen ihre Lehre ab. Rund 20 Prozent der Lernenden besuchen parallel zur Lehre die Berufsmittelschule – ein beachtlicher Wert.

Träger von Login sind die SBB, die BLS, die Rhätische Bahn und der VÖV (Verband öffentlicher Verkehr). Insgesamt arbeiten 50 Partnerfirmen aus der Welt des Verkehrs mit Login zusammen.

Influencer Rash motiviert Jugendlich für Login

Er produziert kurze Videos, die gemäss Medienberichten zum Teil über 100 000 Mal angeklickt werden: Rash Sakem, alias Rash Junior Zamorano. In seinen Beiträgen setzt sich der 22-Jährige Kameruner in gebrochenem Berndeutsch auf lustige Art mit dem manchmal frustrierenden Schweizer Alltag auseinander. Zum Beispiel mit der Aussprache des berüchtigten „Chuchischäschtli“. Letztes Jahr konnte ihn Login für eine Kampagne für die Berufe gewinnen, die man bei Login lernen kann. Man sieht Rash Junior als Zugbegleiter, als Logistiker und als Automatiker.