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Klimamassnahmen schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung

Kritiker von ehrgeizigen Klimazielen jammern gerne, dass deren Umsetzung viel zu teuer werde. Wenn wir uns aber nicht rasch bewegen, verpassen wir die Chance, zehntausende Arbeitsplätze aufzubauen und eine deutlich höhere Wertschöpfung zu erzielen. Dies zeigt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und zur Energieeffizienz unmissverständlich.

Die Schweiz muss ihren Beitrag leisten, damit die Klimaziele erreicht werden können. Dazu hat sie sich an der Klimakonferenz in Glasgow auch bekannt. Damit es gelingt, ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig und die Energieeffizienz muss verbessert werden. Nun kann man dies langsamer oder schneller vorantreiben. Was ist der bessere Weg? Um das zu entscheiden, müssen die Kosten ebenso betrachtet werden wie die positiven Auswirkungen der Massnahmen. Die Studie «Das Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenzial des beschleunigten Ausbaus der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz in der Schweiz» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat dies anhand zweier Szenarien getan. Sie kommt zu klaren Schlüssen.

Das Referenzszenario in der Studie orientiert sich stark am Szenario ZERO Basis der Energieperspektiven 2050+ des Bundesamts für Energie, während im Ausbauszenario ein zusätzlich beschleunigter Ausbau angenommen wurde, welcher nötig ist, um bis 2035 die Treibhausgasemissionen auf netto null zu senken. Die untersuchten Massnahmen und Technologien umfassen Photovoltaik, Windstrom, Solarthermie, energetische Gebäudesanierung, Heizungsersatz (durch Systeme, die erneuerbare Energien nutzen) und Energieeffizienz im Strombereich.

Lohnende Investitionen

Sowohl der moderate als auch der forcierte Ausbau der erneuerbaren Energien respektive die mässige oder kräftige Verbesserung der Energieeffizienz haben starke positive Auswirkungen auf die inländische Wertschöpfung und die Arbeitsplätze. So würde die Wertschöpfung im Referenzszenario bis 2035 um 77,1 Milliarden Franken gesteigert, im Ausbauszenario wären es sogar 144,9 Milliarden. Betrachtet man die Wertschöpfung über die gesamte Lebensdauer der gebauten Anlagen, dann sind die Werte nochmals deutlich höher: 101,6 Milliarden Franken respektive 187,1 Milliarden.

Aber auch zehntausende Arbeitsplätze würden bis 2035 geschaffen. Im Referenzszenario rund 52 000, im Ausbauszenario über 87 000. Diese entstehen hauptsächlich bei der Montage neuer Anlagen inklusive der Gebäudesanierungsmassnahmen. Die Herstellung von Materialien sowie die Planung, der Betrieb und Unterhalt von Anlagen schaffen weitere Arbeitsstellen. Wichtig zu wissen ist, dass es sich vorwiegend um zusätzliche Arbeitsplätze handelt, nicht um solche, die anderweitig verloren gehen. Letzteres ist lediglich beim Heizungsersatz der Fall.

Bezüglich der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung lohnen sich Investitionen in Klimamassnahmen ganz klar und beschleunigte Massnahmen umso mehr. Aber wie sieht es mit den Kosten aus?

Unterschiedliche Kostenfolgen bei erneuerbaren Energien…

Die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Massnahmen in den beiden Szenarien wurde als direkte volkswirtschaftliche Kosten pro produzierter oder eingesparter Energie im Jahr 2035 berechnet. Dabei zeigt sich ein gemischtes Bild je nach Massnahme. So lohnt sich ein beschleunigter Ausbau der Photovoltaik gleich doppelt, da mehr Kapazität zu tieferen volkswirtschaftlichen Kosten zugebaut wird. Die Photovoltaik-Gestehungskosten werden 2035 tiefer sein als die durchschnittlichen Gestehungskosten und erst noch mit der Zeit weiter sinken. Beim Windstrom wird es genau umgekehrt sein, da die Windstrom-Gestehungskosten 2035 über dem Schnitt liegen werden.

Beim beschleunigten Ersatz von Heizsystemen spielt ein anderer ökonomischer Mechanismus. Der Ersatz wird im beschleunigten Szenario teurer, wenn gleichzeitig die Gebäudesanierungen forciert werden (was ja sehr sinnvoll ist). Die Kosten verteilen sich dadurch auf eine kleinere Wärmeproduktion, da mehr sanierte Gebäude die Nachfrage nach Raumwärme senken, und werden so relativ gesehen höher.

… und der Energieeffizienz

Die Wirtschaftlichkeit von Massnahmen zur Energieeffizienz im Strombereich wurde als Differenz zwischen den zwei Szenarien berechnet. In der Studie werden die volkswirtschaftlichen Kosten pro eingesparter Megawattstunde Strom ausgewiesen.

Volkswirtschaftliche Einsparungen ergeben sich in den Bereichen Beleuchtung (rund 111 Franken pro eingesparter Megawattstunde Strom) und Antriebe in der Industrie (55 Franken). Bei den Kochherden und Haushaltsgrossgeräten hingegen entstehen unter dem Strich für energieeffizientere Geräte höhere volkswirtschaftliche Kosten (80 respektive 350 Franken). Das spricht aber nicht gegen solche Geräte, denn auch bei Kochherden ist eine eingesparte Megawattstunde Strom günstiger als eine neu produzierte. Zudem sind die Kostenunterschiede zwischen den beiden Szenarien mehrheitlich klein. Die Autoren der Studie kommen darum zum Schluss, dass «der zusätzliche Nutzen, den das Ausbauszenario in Bezug auf die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze bringt, die volkswirtschaftlichen Mehrkosten übersteigt».

Der Nutzen ist noch viel umfassender

Es gibt aber noch weiteren Nutzen monetärer und nichtmonetärer Art, den ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz bringen, der in die Berechnungen in der Studie gar nicht eingeflossen ist. So generieren Investitionen im Inland Steuereinnahmen, welche wiederum der ganzen Gesellschaft zugutekommen. Die inländische Nachfrage stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen, was insbesondere der stark exportorientierten MEM-Industrie einen Vorteil verschafft. Davon profitieren auch die unzähligen Zulieferbetriebe in der Schweiz. Auch sie werden weitere Arbeitsplätze schaffen, die in der Studie nicht berücksichtigt sind.

Wenn wir mehr Energie und Wärme aus erneuerbaren Quellen im Inland produzieren, werden wir zudem unabhängiger von Energieimporten wie Strom, Uran, Erdöl oder Gas und tragen zur Versorgungssicherheit bei. Die Gefahr der Stromlücke lässt sich so bannen.

Schliesslich wäre sichergestellt, dass unser Land die Klimaziele erreichen wird. Wir würden einen Beitrag dazu leisten, dass auch die Schweizer Bevölkerung weniger unter dem Klimawandel zu leiden hätte und wären Vorbild für andere Länder.

Angesichts dieser Faktenlage und der Tatsache, dass wir uns als reiches Land die Investitionen in die notwendigen Massnahmen problemlos leisten können, wären wir dumm, wir würden jetzt noch zögern und den langsameren Weg wählen. Der Schlusssatz der Studie bringt auf den Punkt, was jetzt passieren muss: «Nun liegt es an den politischen Entscheidungsträgern, die Weichen so zu stellen, dass nicht nur das Klima, sondern auch die Wirtschaft von der Energiewende profitieren kann.» Dem können die Angestellten Schweiz nur beipflichten. Der Verband wird sich weiter dafür stark machen.

Hansjörg Schmid

Donnerstag, 18. Nov 2021

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