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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Home-Office? Coworking? Hoffice!

Wir schreiben das Jahr 2013. Christofer Gradin Franzén brütet über dem Küchentisch über seiner Masterarbeit und kommt einfach nicht voran. Da hat er eine zündende Idee: er will beim Arbeiten zuhause andere Menschen um sich. Hoffice ist geboren.

Allein im Home-Office, da kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Diese Erfahrung haben während der Coronapandemie viele gemacht. Coworking ist eine valable Alternative, aber nicht gratis und überall zu haben. «Warum nicht Coworking bei mir zuhause?», fragte sich der schwedische Psychologe Christofer Gradin Franzén – und setzte die Idee in die Tat um. Zuerst mit seiner Freundin Johline Lindholm.

Hoffice ist eine Mischung aus Home-Office und Coworking. Statt in einem Gemeinschaftsbüro in einem Unternehmen oder öffentlichen Gebäude treffen sich die Hoffice-Teilnehmenden bei einer der Personen zuhause.

Nachdem das Zusammenspannen mit Johline bestens funktionierte, machte sich Franzén daran, ein Konzept für Hoffice auszuarbeiten. Nur mit nebeneinander her arbeiten war es für ihn nämlich längst nicht getan. Er wollte mit Hoffice die Motivation der Teilnehmenden beflügeln und einen Mehrwert schaffen. Für sein Konzept liess er sich auch von Gedanken aus dem Buddhismus inspirieren.

Ein Arbeitstag im Hoffice nach Franzén hat einen ganz bestimmten Ablauf. Er beginnt mit einer Versammlungsrunde, in der alle kurz ihr Projekt und ihre Ziele vorstellen. Die Arbeitszeit ist dann in Blöcke von je 45 Minuten eingeteilt, unterbrochen von 15-minütigen Pausen. Diese Pausen können für Entspannungsübungen, Meditation, Massage, Kaffeetrinken und Ähnliches genutzt werden.

Steigerung der Arbeitsmotivation

Mit dem Hoffice-Konzept hat man nicht nur angenehme menschliche Gesellschaft, sondern kann sich auch beruflich austauschen und gegenseitig inspirieren. Der Arbeitstag ist klar strukturiert – für viele Menschen ist dies hilfreich. Man kann konzentriert arbeiten, die Erholung kommt nicht zu kurz und Langeweile kommt keine auf. Dies wirkt sich positiv auf die Arbeitsmotivation aus.

Weitere Vorteile materieller Art gesellen sich dazu. Für viele verkürzt sich der Arbeitsweg und das Hoffice nach Franzén ist gratis. Die Gastgeber stellen allerdings die Räumlichkeiten, Essen und Trinken sowie die Technik zur Verfügung.

Hoffice richtet sich an Berufsleute, die flexibel und ortsungebunden arbeiten können. Also zum Beispiel an Menschen in kreativen Berufen, Freelancer, Student*innen oder in Projekten tätige Leute.

Nicht alle werden sich mit der Idee anfreunden können, bei jemand anderem zuhause nach einem fixen Tagesablauf zu arbeiten und in den Pausen buddhistische Meditation zu betreiben. Sie sind natürlich nicht das Zielpublikum von Hoffice nach Franzéns Konzept. Es ist aber auch nicht verboten, ein Hoffice mit einem anderen Konzept zu betreiben.

Geeignete Räumlichkeiten

Es ist klar: In einem Abstellraum oder einer dunklen Küche macht Hoffice keinen Spass. Voraussetzung ist, dass geeignete Räumlichkeiten mit genügend Licht und Platz sowie ergonomische Möbel zur Verfügung stehen. Auch müssen Stromanschlüsse und ein leistungsfähiges WLAN vorhanden sein.

An fehlendem Platz und geeigneten Büromöbeln scheitern wohl manche Hoffices in Privathäusern. Eine gute Alternative können Gemeinschaftsräume in Siedlungen sein.

In der Schweiz scheint sich Hoffice, ähnlich wie in Deutschland, noch kaum etabliert zu haben. Liegt es an unserer Mentalität? Franzén glaubt, dass ein wichtiger Hinderungsgrund mangelndes Vertrauen sei.

Vielleicht sollte man es einfach wagen – mit Personen, die man kennt. Machen Sie den Anfang?

Hansjörg Schmid

Donnerstag, 22. Jul 2021

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