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„Es braucht einen Inländervorrang“

Immer mehr ältere Arbeitslose finden keine neue Stelle mehr. „Ein stilles Drama“, nannte der Ökonom Rudolf Strahm diese Entwicklung. Der Verein 50plus outIn Work Schweiz engagiert sich für ältere Arbeitnehmende, die in der Arbeitslosigkeit stecken. Im Interview mit der Geschäftsführerin Heidi Joos lesen Sie, welche Hilfeleistungen der Verein anbietet. 

Heidi Joos - Geschäftsführerin Verein 50plus outIn Work. Heidi Joos - Geschäftsführerin Verein 50plus outIn Work.

Wird ein über 50-Jähriger arbeitslos, hat er grösste Mühe wieder einen Job zu finden. Was läuft falsch in der Schweiz?

 Es braucht einen Inländervorrang. Solange es möglich ist, ältere Arbeitnehmende durch billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland zu ersetzen, werden die Arbeitgeber dies tun. Ein weiteres Problem der älteren Arbeitnehmenden sind die diskriminierenden Altersgutschriften an die zweite Säule. Diese führen dazu, dass die Älteren für die Arbeitgebenden teurer werden. Leider hat der Ständerat in seiner Debatte um die Altersreform 2020 keine wirksamen Korrekturen vorgenommen. Die Vorlage geht Anfang 2016 in den Nationalrat. Bleibt zu hoffen, dass dieser Rat einsichtiger ist. Es braucht auch ein Umdenken der RAV-Behörden. Es hat sich gezeigt, dass sie ältere Jobsuchende vorwiegend kontrollieren, statt fundiert zu beraten. Hauptaugenmerk muss auf der individuellen Weiterbildung liegen.

Sie sind Geschäftsführerin des Vereins 50plus outIn Work Schweiz. Sie begleiten ältere Arbeitnehmende auf der Suche nach einer neuen Stelle. Wie tun Sie das genau?

Wir begleiten sie in dem meist sehr schmerzhaften Prozess mit verschiedenen Dienstleistungen. Sei das über das Gespräch, über Hilfe bei Einsprachen oder bei Gesuchen für individuelle Weiterbildungen oder im Job-Coaching. In St. Gallen, Zürich und Luzern bieten wir Betroffenen 50plus-Talks an, in Bern und Basel sind wir am Aufbau dieser Dienstleistung. Dabei sprechen wir einfach mit den Betroffenen und nehmen uns Zeit, auf ihre Wut und Ängste einzugehen. Wir mischen uns aber auch in den politischen Diskurs ein und führen Gespräche mit dem Arbeitgeberverband.

Welche Tipps haben Sie für einen älteren Arbeitnehmenden, der arbeitslos ist?

Es gilt die Rechtslage zu überprüfen: Ist die Kündigung ordnungsgemäss erfolgt? Dann sollte man sich sofort beim RAV anmelden und eine Antrag auf individuelle Weiterbildung stellen. Die eigenen Fixkosten optimieren, denn Arbeitslosigkeit führt zu einem reduzierten Einkommen. Unbedingt muss auch die Gesundheit und das Wohlbefinden beachten werden.

 

Interview: Reto Liniger

 

Weitere Infos zum Verein 50plus outIn Work

Donnerstag, 24. Sep 2015

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