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Ein Blick auf die dänische und österreichische Altersvorsorge

Seit vielen Jahren versucht die Schweiz, die Altersvorsorge zu reformieren. Wie haben andere Länder ihr System gestaltet? Wir blicken auf die Beispiele Dänemark und Österreich.

Vier Jahre schon wird über die aktuelle Reform der Altersvorsorge 2020 debattiert. Ihr Ziel ist, das Leistungsniveau zu erhalten und gleichzeitig die Finanzierung zu sichern. Im Moment liegt der Ball bei den beiden Parlamentskammern, die sich noch nicht in allen Punkten einig sind. Im Prinzip sollte die Reform in der Frühjahrssession unter Dach und Fach gebracht werden – es wird dazu aber sicher noch eine Einigungskonferenz brauchen. Bevor deren Ergebnis bekannt wird, ist es interessant, einen Blick auf die Altersvorsorge zweier anderer Länder zu werfen.

Die dänische Altersvorsorge ist spitze

Gemäss dem Mercer Global Pension Index, einer Studie der Mercer-Unternehmensberater und des australischen Zentrums für Finanzstudien, ist das dänische Modell der Altersvorsorge das beste der Welt. Dänemark erreicht 80,5 von 100 Punkten und platziert sich zum dritten Mal in Folge an der Spitze, vor den Niederlanden. Die Schweiz findet sich 2016 mit 68,6 Punkten auf Rang 6. Im Vorjahr war sie noch auf Platz 4. Das Abrutschen erklärt sich vor allem durch die Senkung des Niveaus der Netto-Renten im Verhältnis zum Lebenseinkommen.

Der verwendete Index basiert auf drei Werten: Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Die Studie hebt die solide Finanzierung, das hohe Vermögensniveau und die hohen Rentenauszahlungen des gut regulierten privaten Modells der Dänen hervor. Wie sieht dessen Struktur genau aus?

Vier Typen von Renten

In Dänemark wird ab 65 eine Rente ausbezahlt. Das wird sich allerdings ändern, da das Pensionierungsalter auf 67 angehoben wird. Das dänische System kennt vier Typen von Renten: eine soziale Rente, eine ergänzende Rente (ATP), Rentenansprüche aus Gesamtarbeitsverträgen und private Renten.

Die soziale Rente, die „Folkepension“, wird allen Bürgern Dänemarks ausgerichtet. Es handelt sich um einen Basisbetrag, der mit einem Zusatz komplettiert werden kann. Um auf den vollen Betrag von rund 830 Franken im Monat zu kommen, muss man seit dem 15. Altersjahr mindestens 40 Jahre in Dänemark residiert haben. Die Rente berechnet sich auf der Grundlage der individuellen Arbeitseinkommen. Sie wird nicht durch Beiträge, sondern durch Steuern finanziert – wie andere Sozialleistungen im Land. In bestimmten Fällen wird sie ergänzt durch Zuwendungen für die Gesundheit und für das Heizen.

ATP – die berufliche Vorsorge Dänemarks

Neben der Sozialrente sieht das dänische System eine obligatorische arbeitsmarktbezogene Altersvorsorge vor, die „Arbejdsmarkedets tillaegspension“. Alle Angestellten, die mindestens neun Stunden pro Woche gearbeitet haben, profitieren davon. Finanziert wird die ATP durch Beiträge der Arbeitgeber (2/3) und der Arbeitnehmenden (1/3). Das kapitalbasierte System sieht Altersrentenzahlungen ab 65 vor. Ausbezahlt wird eine fixe Summe, die nicht vom Lohneinkommen abhängt, sondern der Anzahl geleisteter Arbeitsstunden.

Die Mehrzahl der dänischen Gesamtarbeitsverträge sieht ebenfalls eine Altersversicherung vor. Auch sie basiert auf dem Prinzip der Kapitalbildung. Die Sätze für die Beiträge unterscheiden sich stark, sie betragen zwischen 9% und 17% des Bruttolohns. Die dänische Regierung fördert diese Art der Vorsorge, indem die Beiträge von den Steuern abgezogen werden können. Dies gilt übrigens auch, wenn man eine private ergänzende Altersversicherung abschliesst.

Österreich am unteren Ende der Klassierung

Interessant ist auch das österreichische Modell der Altersvorsoge. Im Melbourne Mercer Global Pension Index ist Österreich eines der schlecht klassierten europäischen Länder. Es findet sich mit 51,7 Punkten auf Rang 18 von 27. Von den europäischen Ländern ist nur Italien noch weniger gut platziert. Am österreichischen System wird vor allem der Mangel an Nachhaltigkeit kritisiert. Es erhält hier nur 16 von 100 Punkten. Zum Vergleich: Dänemark bekommt 85,3, die Schweiz 67,4.

In Österreich werden Männer mit 65, Frauen mit 60 Jahren pensioniert. Zwischen 2024 und 2033 soll das Frauenrentenalter in Etappen ebenfalls auf 65 angehoben werden. Wie in der Schweiz gibt es ein Drei-Säulen-Modell mit gesetzlicher und privater Altersvorsorge.

Beiträge von 22,8%

Die erste Säule leistet einen wichtigen Teil an die Rente der pensionierten Österreicher. Rund 1200 Franken werden ausbezahlt. Um sie zu erhalten, muss man während mindestens 180 Monaten innerhalb der letzten 30 Jahre Beiträge bezahlt haben. Je nach wirtschaftlicher Situation haben Rentner Anrecht auf Ergänzungsleistungen, vor allem bei schwachem Einkommen.

In Österreich wird die erste Säule über Beiträge der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer finanziert. Sie sind mit 22,8% recht hoch und wurden seit 1988 nicht mehr angepasst. Die Arbeitgeber bezahlen 12,5%, die Angestellten 10,25%. Zum Vergleich: In der Schweiz zahlen beide AHV-Beiträge von je 8,4%.

Das österreichische Altersvorsorge-Modell sieht auch die Möglichkeit einer Pensionierung vor oder nach 65 vor. Eine frühzeitige Pensionierung ist nur unter bestimmten Umstanden, wie z. B. Invalidität, möglich. Personen, die länger arbeiten, können weiterhin Beiträge bezahlen (aber nur bis 68). Die Rente erhöht sich um 4,2% pro Jahr, das mehr gearbeitet wird.

Es braucht eine Reform

Zum öffentlichen Teil der Altersvorsorge kommt die berufliche Altersvorsorge, die 2. Säule. Sie ist seit 1990 im „Betriebspensionsgesetz“ geregelt und gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil die 1. Säule auch in Österreich, wie in der Schweiz, vor demografischen Herausforderungen steht. Unternehmen können mit der 2. Säule eine Zusatz-Altersvorsorgeversicherung abschliessen. Sie können ihre Altersrente zudem komplettieren, indem sie auch eine private Altersvorsorgeversicherung abschliessen.

Die österreichische Altersvorsorge hat Reformbedarf, finden die Unternehmensberater von Mercer. Sie empfehlen, folgende Aspekte zu prüfen: Kopplung des Altersrücktritts an die Lebenserwartung, flexibler Altersrücktritt, Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer sowie schnellere Erhöhung des Frauenrentenalters.

 

Virginie Jaquet

 

Donnerstag, 22. Dez 2016

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In einem Bericht präsentiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD die verschiedenen Modelle der Altersvorsorge, unter anderem jenen von Dänemark und Österreich.

>> Altersvorsorge auf einen Blick (französisch / englisch)

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