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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Deloitte-Studie zur Transformation der Industrie 4.0

Der Werkplatz 4.0 kommt – noch fehlen aber Talente

Die Industrie 4.0 wird kommen und den Werkplatz Schweiz wettbewerbsfähiger machen – davon sind die Unternehmen der Branchen MEM, Chemie und Bau überzeugt. Die Transformation ist bei vielen Betrieben im Gange. Eine Herausforderung bleiben die dafür geeigneten Mitarbeitenden.

Nur gerade 4% der Teilnehmer, die das Beratungsunternehmen Deloitte befragt hat, sagen, dass sie die geeigneten Mitarbeitenden für die Industrie 4.0 haben[1]. Damit sind die Talente eine der beiden grossen Herausforderungen für die Umsetzung der Industrie 4.0. Die andere betrifft die Datensicherheit.

Ganz so dramatisch, wie die 4% es scheinen lassen, ist die Situation zum Glück dann doch nicht. Die Schweizer Industrie ist nämlich daran, das notwendige Talent aufzubauen. Immerhin 80% der Befragten verfügen zumindest teilweise über die geeigneten Angestellten. Lediglich 16% fehlen sie noch vollständig. Damit steht die Schweiz verhältnismässig gut da.

Es braucht Investitionen in die Bildung

Da die Konkurrenz im Ausland aber nicht schläft, braucht es weitere Anstrengungen und Investitionen in die Bildung und Weiterbildung. Denn eines ist klar: Für die Industrie 4.0 sind andere Fähigkeiten gefragt als in der herkömmlichen Industrie (vgl. dazu den Beitrag „Welche Berufe der Automatisierung zum Opfer fallen könnten“). Unser Bildungssystem muss sich darum auf die neue Situation einstellen und Bildungsgänge anbieten für die (künftigen) Angestellten in der Industrie 4.0. Das betrifft sowohl die Grundbildung als auch die Berufsbildung und die Weiterbildung. Gefordert sind die Schulen und Universitäten, die Berufsbildner ebenso wie die Arbeitgeber.

Die Politik muss die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört die Förderung von entsprechenden Bildungsangeboten, aber auch sicherzustellen, dass die Schweiz punkto Industrie 4.0 gleich lange Spiesse hat wie die EU- sowie die angelsächsischen Länder.

Industrie 4.0 auf Kurs

Aufhalten lässt sich die Industrie 4.0 gemäss der Deloitte-Studie in der Schweiz nicht mehr. 40% der Befragten stimmen voll zu, dass die Transformation zur Industrie 4.0 den Schweizer Werkplatz global wettbewerbsfähiger macht, 44% stimmen eher zu. Bei der Frage, wie stark die Unternehmen die digitale Transformation zur Industrie 4.0 schon spüren, zeigt sich: Sie stehen noch an sehr unterschiedlichen Orten. 20% spüren sie noch gar nicht, 12% sehr stark, 24% stark. Ein grosser Block von 28% steht genau in der Mitte. Viele Unternehmen haben also den Weg zur Industrie 4.0 angetreten, einem Drittel steht er noch bevor oder sie haben erst zaghafte Schritte unternommen.

Für die Angestellten in der Schweiz ist die Frage wichtig: Wird die Industrie 4.0 dazu beitragen, dass es in der Industrie in der Schweiz wieder mehr Arbeitsplätze geben wird? Zumindest was den Trend der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer betrifft, gibt die Deloitte-Studie eine Antwort. Die Meinungen der Teilnehmenden sind geteilt, mit einem leichten Trend zugunsten der Arbeitsplätze in der Schweiz. 48% glauben nämlich eher oder klar an eine Verlangsamung des Trends. Ein Fünftel ist unentschieden und 24% können es sich eher nicht vorstellen. Nicht gefragt wurde, ob in der Industrie 4.0 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies ist jedoch eher anzunehmen, wie eine frühere Deloitte-Studie aufzeigt (vgl. auch hierzu den Beitrag „Welche Berufe der Automatisierung zum Opfer fallen könnten“). Allerdings braucht es dazu wie erwähnt Investitionen in die Bildung.

Hohe Cyber-Risiken

Kürzlich gelang es chinesischen Hackern, die Bremsen eines selbstfahrendes Tesla-Autos zu übernehmen. Man wagt sich gar nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Hacker das Kommando über einen ganzen Betrieb gewinnen würden. Es wäre schon schlimm genug, wenn sie nur einen Teil der Produktion zum Stillstand bringen könnten. Die Cyber-Sicherheit ist denn auch einer der wunden Punkte bei der Transformation zur Industrie 4.0. Die Befragten haben das Problem erkannt und betrachten die Cyber-Risiken als sehr gross (48%) oder gross (36%). Allerdings beurteilen in den Expertengesprächen die meisten die Gefahren durch ein gezieltes Risikomanagement und eine angepasste Sicherheitsstrategie als beherrschbar.

Die Industrie 4.0 ist in vielen Betrieben in der Schweiz angekommen. Sie wird vor allem in den Bereichen Forschung & Entwicklung, in der Beschaffung, im Vertrieb und bei den Dienstleistungen eingesetzt. Nach und nach dürfte sie alle Bereiche erfassen. Am längsten dürfte es noch bei der innerbetrieblichen Verwaltung dauern.

Wenn die Transformation nicht nur in Bezug auf die Technik, sondern auch auf die Talente gelingt, hat die Schweiz gute Chancen, eine der führenden Industrienationen zu bleiben.

 

Hansjörg Schmid



[1]Untersucht wurden von März bis August 2014 mittels einer Umfrage und persönlichen Interviews 50 in der Schweiz tätige Industrieunternehmen der Branchen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), Chemie sowie Bau. Die Resultate sind publiziert in der Studie „Werkplatz 4.0. Herausforderungen und Lösungsansätze zur digitalen Transformation und Nutzung exponentieller Technologien“.

Montag, 28. Nov 2016

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