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Das Ende des fixen Büroarbeitsplatzes

In den letzten Jahren setzten grosse Schweizer Unternehmen wie Swisscom, Nestlé oder die Post auf Desk Sharing. Warum tun sie das? Wie reagieren die Angestellten? In diesem Beitrag erfahren Sie es.

Seit rund zwei Jahren haben etwa 1800 Angestellte des Hauptsitzes der Post kein fest zugewiesenes Büro mehr. Der gelbe Riese praktiziert vielmehr Desk Sharing, die Angestellten teilen sich den zur Verfügung stehenden Büroraum. Neben 30 Einzelbüros gibt es verschiedene Aktivitätszonen: für die Interaktion, die Konzentration und die Erholung.

Lanciert in den Neunzigerjahren

Wenn sie morgens eintreffen, wählen sich die Desk Sharer ihren Arbeitsplatz je nach den Aufgaben, die sie an dem Tag zu erledigen haben, aus. Sie haben häufig nicht mehr Arbeitsmaterial zur Hand als einen Computer, eine Tastatur und einige Dokumente, die sie abends in einem Ablagefach einschliessen oder mit nach Hause nehmen können.

In der Schweiz wird Desk Sharing seit den Neunzigerjahren praktiziert, unter anderem in den Grossunternehmen Swisscom, Nestlé, Swiss Re, SBB oder Credit Suisse. Was macht diese neue Arbeitsform aus? Heute teilen sich gemäss Hartmut Schulze, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, 20 000 Angestellte den Büroarbeitsplatz.

Kosten im Visier, aber nicht das Wohl der Angestellten

Die Unternehmen setzen aus Kostengründen auf Desk Sharing. Geteilte Büros und Arbeitsräumlichkeiten ermöglichen ihnen, ihre Infrastrukturkosten um rund 30 Prozent zu senken, schreibt Susanne Mehr, Lehrstuhl für Human Resources Management an der Uni Zürich. Für die Betriebe geht also Desk Sharing einher mit einer effizienteren Raumnutzung.

Wenn sie ihre Arbeitsräumlichkeiten reorganisieren, vergessen die Unternehmen aber leider oft, die Bedürfnisse der Angestellten zu berücksichtigen und ihre Arbeitsweise zu überdenken. Laut einer Studie des Büroeinrichters Haworth hat die Gestaltung des Arbeitsplatzes eine grosse Wirkung auf die Befindlichkeit der dort Arbeitenden. Jeder sollte ihn in Bezug auf die Beleuchtung und die Positionierung der Möbel nach den eigenen Vorstellungen organisieren können.

Die Vorbehalte der Angestellten

Das Ausserachtlassen der Bedürfnisse der Angestellten erklärt deren kritische Haltung gegenüber dem Desk Sharing. Gemäss einer in der Handelszeitung im Frühjahr 2017 publizierten Umfrage findet mehr als die Hälfte der Befragten, es sei so schwieriger, anspruchsvolle Arbeit zu erledigen und sich zu konzentrieren. Sogar mehr als 70 Prozent gaben an, dass das Desk Sharing die Kommunikation und den Informationsaustausch zwischen Kollegen und mit den Vorgesetzten nicht erleichtere.

Aus Sicht des Arbeitgebers ist der Austausch und die Zusammenarbeit aber gerade eines der Plus von Desk Sharing. Es ermöglicht Mitarbeitenden, die ein gemeinsames Projekt ausführen, ihre Aufgaben am selben Ort zu erledigen, auch wenn sie verschiedenen Abteilungen angehören. So sehen es zumindest die Autoren des Artikels „Desk Sharing – Mehrwert für das Team“. Sie betonen auch die Wichtigkeit vorgängiger Ausbildung und Information. Ohne diese Voraussetzungen droht diese Arbeitsform schwierig umzusetzen zu sein oder sogar zu scheitern. Sie erfordere Anpassungen sowohl auf Seiten der Angestellten als auch des Unternehmens selbst, und diese müssten begleitet werden. Die Autoren folgern zu Recht, dass Desk Sharing die Führungskräfte vor neue Herausforderungen stellt. Wer glaubt, einfach und leicht Einsparungen realisieren zu können, täuscht sich. Die Autoren unterstreichen, dass es eine Arbeitsform sei, die Vertrauen und Kommunikation erfordere. Gute Kommunikation ist ja bei jeder Form von Arbeit gefragt, Desk Sharing ist da keine Ausnahme.

Virginie Jaquet

Montag, 22. Jan 2018

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