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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Das Auto teilen, das Haus – und die Angestellten

55 Prozent der Konsumenten wollen gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte die Sharing Economy nutzen. Kein Wunder steigt die Zahl der Anbieter und Nutzer stetig. Man teilt heute fast alles – sogar Angestellte.

In den Vereinigten Staaten lanciert, entwickelt sich die Sharing Economy rasant weiter. Gab es 2003 gerade einmal zwei Start-up-Unternehmen in diesem Bereich, waren es zehn Jahre später, so eine Deloitte-Studie, schon 28. Die Studie zeigt auch auf: Die Schweizer wollen immer mehr an der Sharing Economy teilhaben. 18 Prozent der Befragten gaben an, schon dabei zu sein, 55 Prozent wollen in den nächsten 12 Monaten einsteigen. Diese Zahlen zeigen eindrücklich das Potenzial dieser Wirtschaftsform auf.

Nicht nur Car- und Homesharing

Teilen ist nichts Neues, sondern ein Naturzustand, stellt Karin Frick, Leiterin Research am Gottlieb Duttweiler Institut, in einem Interview fest. Der Mensch habe immer schon die Nahrung oder den Lebensraum geteilt. Neu ist allerdings, dass die Sharing Economy immer grössere Märkte erobert.

Aktuell ist die Wirtschaft des Teilens besonders in den Sektoren Mobilität und Gastgewerbe verbreitet. Airbnb, Uber, Mobility, Housetrips, Sharoo – es ist schwierig, jemanden zu finden, der diese Anbieter nicht schon benutzt hat oder wenigstens kennt. Die Sharing Economy beschränkt sich aber nicht nur auf die Mobilität und die Beherbergung. Sie wächst besonders im Dienstleistungssektor – und neuerdings werden sogar Mitarbeitende geteilt.

Arbeitskräfte teilen

Im September 2015 lancierte die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur zusammen mit Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie der Kantone Graubünden und Tessin ein Mitarbeitersharing-Projekt. Im Winter benötigen die Bündner Betriebe mehr Arbeitskräfte, im Sommer die Tessiner. Sie sind gezwungen, Arbeitskräfte saisonal zu beschäftigen, was eine grosse Fluktuation mit hohen Kostenfolgen verursacht. Ziel des Projekts ist, solche Kosten zu senken.

Das Projekt Mitarbeitersharing empfiehlt, den Saisonniers einen Arbeitsvertrag für das ganze Jahr auszustellen, aber für zwei Betriebe. Je nach Saison arbeiten sie am einen oder anderen Ort. Die Tessiner und Bündner Wirtschaftsdepartemente sowie der Bund unterstützen das Projekt. Michael Caflisch ist Leiter Tourismusentwicklung in Gaubünden. Er betont, dass die beiden Kantone mit dem Projekt Arbeitslosengelder sparen. Denn gerade in Hotels und der Gastronomie beziehen saisonal Angestellte häufig solche. Das Mitarbeitersharing befindet sich aktuell noch in der Testphase, ab 2018 soll es regulär installiert werden.

Mitarbeitersharing auch anderswo

Neben dem beschriebenen Projekt gibt es andere Organisationen, welche auf Mitarbeitersharing setzen, z. B. Upwork, Rentarentner, Skillharbour, Jacando oder ServiceAtHome. Letzteres Unternehmen wurde 2013 in Genf von zwei künftigen Eltern gegründet. Auf ServiceAtHome können Personen ihre Leistungen und den Tarif dafür angeben. Die möglichen Arbeitsfelder sind limitiert: Beispiele sind Haushalt, Fitness, Musikkurse oder Unterstützung in administrativen Belangen.

Eine solche Praxis lässt juristische Fragen aufkommen. Wer ist der Arbeitgeber und wer kommt für die Sozialabgaben auf, wenn jemand zum Beispiel den Dienst als Haushalthilfe anbietet? ServiceAtHome löst die Problematik auf einfache Weise mittels der Plattform quitt.ch. Auf der Website kann man die Haushalthilfe versichern, bei der Ausgleichskasse des Kantons und sogar bei einer Pensionskasse anmelden, falls nötig. Dies verhindert Schwarzarbeit, oder vermindert sie zumindest.

Schweizer wollen die Sharing Economy wenig regulieren

Die Wirtschaft des Teilens ist in der Schweiz noch wenig geregelt, was zu zunehmender Kritik von Arbeitnehmerorganisationen führt. Allerdings finden gemäss der Deloitte-Studie 36 Prozent der befragten Schweizer, dass es nichts nützen würde, strenger zu reglementieren. Für die Angestellten Schweiz ist der Schutz der Angestellten vorrangig, auch in der Sharing Economy. Um einem Missbrauch vorzubeugen wird es in gewissen Bereichen neue Regeln brauchen.

Virginie Jaquet

Mittwoch, 14. Sep 2016

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Sharing Economy – was alles angeboten wird

Das Gottlieb Duttweiler Institut führt auf seiner Website Sharing-Economy-Plattformen auf, nach Themen geordnet. Interessant, was es alles gibt!