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Bilden wir bedarfsgerecht aus?

In Zeiten der digitalen Revolution und der Industrie 4.0 wird die Frage noch wichtiger: Bildet unser Berufsbildungssystem die Berufe aus, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind? Wenn weiter auf die Stärken der dualen Berufsbildung gesetzt wird, kann diese Frage mit Ja beantwortet werden.

Die Erwartungen und Anforderungen an die Berufsbildung sind hoch. Sie soll die Fachkräfte ausbilden, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt sind – und zwar in genügender Zahl. Sie soll den jungen Menschen aber auch eine berufliche Perspektive über ihr ganzes Berufsleben eröffnen. Wie weit wird unser Berufsbildungssystem diesen Anforderungen gerecht – auch in der Zukunft? Die Leiterin des Forschungsbereichs Bildungssysteme des Swiss Economic Institute der ETH ist für einen Vortrag für die Organisation F-Info dieser Frage nachgegangen.

Duales Bildungssystem garantiert guten Match

Das duale Schweizer System, das die Betriebe gleichwertig an der Berufsbildung beteiligt, ist eine starke Garantie, dass keine Berufe ausgebildet werden, die in der Wirtschaft nicht gefragt sind. Daran hätten die Betriebe und Organisationen, welche die ausgebildeten Arbeitskräfte nachher beschäftigen, schlicht kein Interesse. Dass das Modell bestens funktioniert, zeigen die Arbeitslosenzahlen in der Schweiz, insbesondere was die Jugendarbeitslosigkeit betrifft. Diese lag im März 2017 bei 3,2%. In der Schweiz arbeiten auch fast keine Jugendlichen unfreiwillig Teilzeit. In Italien zum Beispiel ist dieser Anteil enorm hoch. Ein Index der KOF ETH zeigt zudem, dass die jungen Angestellten hierzulande sehr gut gemäss ihren Fähigkeiten arbeiten können – in Frankreich oder Finnland ist der „skills mismatch“ deutlich grösser. Nicht zuletzt ist die Berufslehre ein guter Garant gegen Arbeitslosigkeit, die Quote liegt um knapp 20 Prozent tiefer als im Schnitt. Sie sinkt um weitere 60 Prozent, wenn man eine höhere Berufsbildung abgeschlossen hat.

Die Welt bleibt jedoch nicht stehen und die Berufsbildung kann nur ein Erfolgsmodell bleiben, wenn sie sich den neuen Herausforderungen stellt. Eine davon sind die langsamen Bildungsprozesse. Neue Ausbildungsgänge auszuarbeiten braucht Zeit. Es dauert rund zehn Jahre von den Ergebnissen einer Arbeitsmarktstudie, bis erste Berufslernende einen Abschluss in einem neuen Bildungsgang in der Tasche haben.

Innovation steuert Entwicklung der Berufsbildung

Eine Schwierigkeit besteht aktuell auch darin, vorauszusagen, was für Kompetenzen die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft überhaupt erfordert. Ursula Renold ist jedoch überzeugt, dass die Innovationen die Evolution in der Berufsbildung steuern – eben weil sich innovative und forschungsorientierte Unternehmen in der Entwicklung von neuen Bildungsplänen engagieren. „Damit kann garantiert werden, dass die neuesten Technologien in der Ausbildung gelehrt und gelernt werden“, sagt die Berufsbildungsexpertin. Als Beispiel nennt sie den Maschinenhersteller Bühler, der in der Lehrlingsausbildung neue Wege beschreitet. In Uzwil existiert ein Klassenzimmer, zu dem virtuell ein weiteres Klassenzimmer in China zugeschaltet werden kann. Am Unterricht können sich so die Lernenden auf zwei Kontinenten gleichzeitig beteiligen.

„Die Schweiz verfügt im Vergleich zum Ausland über ein hervorragendes Bildungssystem“, sagt Ursula Renold. Damit es so bleibe, sei ein guter Mix von berufspraktischen und akademischen Abschlüssen Voraussetzung. Gerade weil vermehrt Erfahrung und Soft Skills gefragt seien, brauche es weiterhin die Ausbildung am Arbeitsplatz.

Wie die Partner der Berufsbildung auf die neuen Herausforderungen Globalisierung, Migration, Generationenkonflikt, vor allem aber Digitalisierung reagieren, erfahren Sie im Artikel „Eine Berufsbildung mit Zukunft“ über das Projekt Berufsbildung 2030.

Hansjörg Schmid

Montag, 12. Jun 2017

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