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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Englische Bezeichnungen für Berufsbildungsabschlüsse

Berufstitel aus dem Baukasten

Nur mit unmittelbar nachvollziehbaren englischen Berufstiteln haben Erwerbstätige mit Schweizer Berufsabschluss gute Chancen auf dem globalen Arbeitsmarkt. Das Staatssekretariat für Berufsbildung, Forschung und Innovation hat Vorschläge präsentiert. Sie sind praktikabel, wenn auch etwas unhandlich.

Über 1000 Abschlüsse gibt es im Schweizer Bildungssystem. Hier den Durchblick zu wahren ist eine wahre Herausforderung. Noch viel schwieriger ist es, für diese Abschlüsse eine englische Übersetzung zu finden, die präzis auf den Punkt bringt, welche Qualifikationen auf welchem Niveau die Absolventen mit sich bringen.

Für die Berufsabschlüsse hat das Staatssekretariat für Berufsbildung, Forschung und Innovation (SBFI) nun nach intensiver Arbeit einen Vorschlag vorgelegt, welcher diesem Anspruch gerecht werden soll. Der Grund für den grossen Aufwand ist einleuchtend: Absolventen der Schweizer Berufsbildung sollen mit ihren Berufstiteln auf dem Arbeitsmarkt auf der ganzen Welt die gleichen Chancen haben wie ihre Konkurrenten aus anderen Ländern. Schwierig wurde es für das SBFI, weil das Schweizer Berufsbildungssystem ziemlich einzigartig und darum mit ausländischen Modellen nur schlecht vergleichbar ist. (Die Lehre zum Beispiel spielt nur gerade in Deutschland, Dänemark und Österreich eine Rolle in der Berufsbildung.) Dazu kommt, dass das Niveau unserer Berufsbildung generell auf einem fast konkurrenzlos hohen Niveau ist. Auch das soll nach Ansicht des SBFI in den Titeln zum Ausdruck kommen.

Modularer Aufbau der Titel

Für die neuen englischsprachigen Titel hat das SBFI eine Art Baukasten zusammengestellt. Nach diesem System zusammengestellte Berufstitel drücken neben der Berufsbezeichnung die Zertifizierung, die Abstufung der Abschlüsse, die staatliche Anerkennung, die Abschlussart und die Bildungsstufe aus. In einem Diplomzusatz wird der Bildungstyp angegeben und die Bildungsstufe differenziert.

Anschaulich wird das anhand eines Beispiels. Ein Steuerexperte mit tertiärer Bildung könnte zum Beispiel auf Englisch den folgenden Titel tragen: Certified Tax Expert with Advanced Federal Diploma of Higher Education. Certified, weil er zertifiziert ist. Advanced, weil er mit einem Diplom abgeschlossen hat. Federal, weil dieses Diplom eidgenössisch ist. „Of Higher Education“ bezeichnet die tertiäre Bildungsstufe.

Bei den Bildungstypen wird unterschieden zwischen Vocational Education and Training, VET (deutsch: Lehre, respektive Berufliche Grundbildung) und Professional Education (Höhere Berufsbildung). Bei der Bildungsstufe können z. B. die Niveaus gemäss dem Nationalen oder dem Europäischen Qualifikationsrahmen angegeben werden. Diese Qualifikationsrahmen dienen dazu, die Bildungsstufen präzise und fein abgestuft zu definieren. Im Nationalen Qualifikationsrahmen gibt es acht Bildungsstufen gemäss Berufsbildungsgesetz.

Kurz und knackig versus lang und aussagekräftig

Bei der Vorstellung des neuen Systems am 16. Juni in Bern wurde auch Kritik laut. Der Berufsbildungsexperte Rudolf Strahm fand, dass die langen Bezeichnungen keine eigentlichen Titel seien. Er hätte die kurzen, knackigen Bezeichnungen Professional Bachelor und Professional Master vorgezogen, wie sie Nationalrat Matthias Aebischer in einer Motion vorgeschlagen hatte. Die eidgenössischen Räte haben diese Motion alllerdings abgelehnt und das SBFI hat darum diese Bezeichnungen nicht mehr weiterverfolgt. Professor Dr. Stefan Wolter, Präsident der Expertengruppe Berufsbildung der OECD, entgegnete Strahm, dass solche Titel international an Wert verloren hätten. Wichtiger sei heute, dass aus der Bezeichnung klar werde, um welche Ausbildung auf welcher Stufe es sich handle.

Die neuen englischsprachigen Titel sollen jetzt so rasch wie möglich zum Einsatz kommen. Bis Ende Juli können die involvierten Organisationen noch schriftlich dazu Stellung nehmen. Dann wird eine Vorlage für einen Beschluss der Eidgenössischen Berufsbildungskomission ausgearbeitet. Ab ca. Oktober soll das System umgesetzt werden.

 

Hansjörg Schmid

Montag, 13. Jul 2015

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