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Das Online-Magazin der Angestellten Schweiz

Interview mit Thomas Schönenberger

Ein echter Weltmeister unter den Angestellten Schweiz

Die Angestellten Schweiz sind stolz unter ihren Mitgliedern einen echten Weltmeister zu haben. Thomas Schönenberger ist nicht nur Life Cycle Manager bei Bühler in Uzwil. Er ist auch aktueller Weltmeister im Ju-Jitsu. An der WM in Polen holten er und seine Trainingspartnerin Sofia Jokl kürzlich Gold.

 

Ju-Jitsu ist eine von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung und Ursprung des heutigen Judos. Thomas Schönenberger und Sofia Jokl gehen jeweils als Duo an den Start und präsentieren gemeinsam einstudierte Selbstverteidigungskombinationen.

Wir wollten wissen, wie man eine Weltmeisterkarriere im Sport und gleichzeitig seine berufliche Laufbahn unter einen Hut bringt und trafen Thomas Schönenberger zum Interview an seinem Arbeitsort im Hauptsitz von Bühler in Uzwil.

Herr Schönenberger, zunächst einmal Gratulation zu ihrem Weltmeistertitel. Wie lange haben Sie auf diesen hingearbeitet?

Ich habe erst relativ spät, mit 18 Jahren mit Ju-Jitsu angefangen. Seit insgesamt 13 Jahren betreibe ich nun diesen Sport und seit sechs Jahren auf Wettkampfniveau.

Wie kamen Sie zu Ju-Jitsu?

Mein Schwager, der als Trainer in dem Sport damals arbeitete, hat mich an Ju-Jitsu herangeführt. Meine jetzige Wettkampf-Partnerin Sofia Jokl kam dann zu uns in den Verein und sie war früher bereits im Nationalkader und bestritt Wettkämpfe. Durch ihre früheren Kontakte und hartes Training sind wir ins Nationalkader gekommen und so hat eins das andere ergeben und wir sind sehr schnell aufgestiegen.

Es brauchte aber sehr viel Eigeninitiative, denn Ju-Jitsu ist immer noch ein Randsport. Also nicht vergleichbar mit Fussball, wo man Leistungszentren hat. Ebenso Judo, das eine olympische Disziplin ist und dem Ju-Jitsu somit einiges voraus ist.

Sie haben einen Vollzeitjob als Life Cycle Manager bei Bühler. Wie schaffen Sie es, den Sport auf Wettkampfniveau und Ihre Arbeit unter einen Hut zu bringen?

Mein Arbeitgeber ist zum Glück sehr zuvorkommend. Er und mein ganzes Team bei Bühler unterstützen mich sehr, so dass ich meine Arbeit flexibel gestalten kann. Dies ist besonders wichtig in den Wettkampfphasen, wo ich entsprechend weniger arbeiten kann. Bühler ist aber ein sehr fortschrittlicher Arbeitgeber, der auch über ein Gesundheitskonzept verfügt und aktiv die Gesundheit seiner Mitarbeitenden fördert, z.B. in Form von Partnerschaften mit Fitness Centern, Vorträgen zum Thema Gesundheit uvm.

Ju-Jitsu ist ja ein Partnersport. Ihre Trainingspartnern Sofia ist zudem Pilotin bei Swiss. Wie schaffen Sie es Ihre Trainingseinheiten zu koordinieren?

Sofia fliegt derzeit nur Kurzstrecke in Europa, also nicht Langstrecke, das macht es leichter unser Training zu koordinieren. Wir setzen uns jeden Monat zusammen und legen unsere Trainingseinheiten nach ihrem Arbeitsplan fest, da ich flexibler bin, als sie.

Wie oft trainieren Sie?

Ausserhalb der Wettkämpfe, in den ruhigen Phasen trainiere ich 3-4 Mal pro Woche, meistens nach der Arbeit. Vor den grossen Wettkämpfen, die zwei Mal im Jahr stattfinden (EM, WM) trainiere ich jeden Tag 2-3 Stunden. Entweder morgens, vor der Arbeit, oder am Abend danach. Zum normalen Ju-Jitsu Training kommen noch Ausdauer und Krafttraining hinzu.

 

Thomas Schoenberger Kampf

 

Da bleibt Ihnen nicht viel Freizeit…

Nein, das Private, Freunde, Familie bleiben definitiv auf der Strecke, und man muss auf vieles verzichten. Das muss man wollen und auch können. Ich versuche aber, so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden und der Familie zu verbringen, speziell eine Woche vor dem Wettkampf versuche ich Zeit zu finden, um sie mit meine Liebsten zu verbringen, weil mir das auch Kraft und Motivation gibt.

Was ausserdem hinzukommt, ist die finanzielle Belastung durch die Reisen, Equipment etc. Ju-Jitsu ist ein Nischensport und wir haben auch leider noch keinen grossen Sponsor.

Gleicht Sie der Sport aus?

Auf jeden Fall. Ich habe einen Bürojob und der Sport ist ein sehr guter Ausgleich für mich, um den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu tanken.

Gibt es etwas, was Sie aus dem Sport gelernt haben, das Ihnen im Beruf zugute kommt?

Absolut. Im Leistungs- und Wettkampfsport spielt die mentale Vorbereitung eine tragende Rolle, die ich im Beruf ebenso brauche, wenn ich z.B. ein wichtiges Meeting mit der Geschäftsleitung habe. Man weiss, wie man mit Nervosität umgehen muss. Aber auch Aspekte wie Durchhaltevermögen, sicheres Auftreten, Selbstbewusstsein, die Grundlage für den Selbstverteidigungssport Ju-Jitsu sind, kommen mir in meinem Berufsalltag zugute. Ich habe z. B. keinerlei Probleme vor Leuten zu reden. Ich komme gerade aus den USA, wo ich zum ersten Mal auf englisch einen Vortrag halten musste.

Wie bekommen Sie Ihre Nervosität vor einer WM in den Griff?

Nervös ist man immer, es ist nur eine Frage, wie man die Nervosität positiv nutzt. Es hilft, sich gut zuzureden, Selbstgespräche zu führen, aber auch Dinge, die einen beschäftigen oder ablenken bewusst auszublenden. Das gelingt mir am besten, indem ich diese Dinge aufschreibe und sie danach beiseitelege. Dann weiss ich, sie sind dokumentiert, aber für den Moment weg und ich konzentriere mich erst nach dem Wettkampf darauf. Diese Methode hilft mir natürlich auch bei der Arbeit.

Was sind Ihre nächsten Ziele im Sport?

Als nächstes stehen im Sommer in Polen die World Games an, eine Art Olympiade für nichtolympische Disziplinen, für die wir uns jetzt qualifiziert haben und die alle vier Jahre stattfindet. Auch die beiden Titel (EM & WM) möchten wir dieses Jahr verteidigen.

Ich danke Ihnen für das Interview und wir wünschen Ihnen ganz viel Erfolg für Ihre weitere Karriere.

Interview: Ariane Modaressi

Freitag, 20. Jan 2017

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«Nervös ist man immer, es ist nur eine Frage, wie man die Nervosität positiv nutzt.»
Thomas Schönenberger, Weltmeister in Ju-Jitsu

Mehr Informationen

>> Swiss Duo Team

>> Facebook-Seite von Thomas Schönenberger und Sofia Jokl